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Lorch

98. Der Ritter von Lorch

»Hinauf trotz Furcht und Zagen,
Hinauf, mein starkes Roß,
Dort oben bei grünen Auen
Steht meiner Liebsten Schloß.
Ich will in Wein dich baden,
Dich kämmen mit goldnem Kamm,
Und ewig mit Brot der Gnaden
Dich füttern wie ein Lamm.

Drum immer ohne Zagen,
Mein treues Roß, hinauf;
Hast oft mich zur Schlacht getragen,
Zu Kampf und Siegeslauf.
Ich soll mir mein Lieb gewinnen,
So sprach ihres Vaters Mund,
Und ich will mir mein Lieb gewinnen
Oder stürzen in den Schlund.«

So ruft der kühne Reiter
Umstarrt von Tod und Grab.
Das Roß stürmt weiter und weiter,
Der Ritter schaut nicht hinab.
Er hört tief unten nun brausen
Die Wisper zum wilden Rhein,
Hört Sturm in der Höhe sausen
Und hängt wie ein Aar im Gestein.

Und wie zwei schwarze Flügel
Umflattert ihn sein Gewand,
Es flattert von Hügel zu Hügel,
Es wallt von Wand zu Wand.
Ha sieh! schon leuchten ihm Sterne,
Zwei Sterne wunderbar,
Und aus der duftigen Ferne
Weht goldnes Lockenhaar.

Und horch! jetzt tönen Lieder,
Jetzt strahlt's wie Himmelsglanz –
Vom Turme beugt sich hernieder
Sein Lieb und hält den Kranz.
Ihr Vater ruft bezwungen:
»Willkommen, mein junger Held,
Du hast dir die Braut errungen:
Dem Kühnen gehört die Welt.«

A. v. Stolterfoth.


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