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21.

(Der klagende Liebhaber.)

Damit genug, es ist vergebens!
In Einsamkeit
Begehrt mein Leid
Den Schluß des schweren Lebens.
Mein treues Lieben
Bringt nur Betrüben
Und schließt mich mit der stummen Pein
Hier zwischen Berg und Thäler ein.

Den sanften West bewegt mein Klagen,
Es rauscht die Bach
Den Seufzern nach
Aus Mitleid meiner Plagen;
Die Vögel schweigen,
Um nur zu zeigen,
Daß deine schöne Tyrannei
Auch Thieren überlegen sei.

Was soll ich thun, was soll ich bitten?
Um Hülf' in Noth?
Nein, um den Tod.
Den hab' ich längst gelitten;
Denn bei dem Triebe
Verworfner Liebe
Stirbt jeder mit vermehrter Qual
Des Tages mehr als tausendmal.

So sterb' auch ich; ja, wenn ich stürbe,
So wüst' ich doch,
Daß dieß mein Joch
Zugleich mit mir verdürbe;
Ich läg' und schliefe
In jener Tiefe,
Wo keine Last, die mich bedeckt,
Das ungeborne Volk das ungeborne Volk, die noch nicht zum ewigen Leben Auferstandenen. erschreckt.

Wer sagt mir, ob und wo ich lebe?
Mein Kind, in dir,
Um das ich hier
Mein Blut dem Kummer gebe,
Mein Blut vom Herzen,
Das in den Schmerzen,
Die dein verstockter Sinn ernährt,
Sich durch und in sich selbst verzehrt.

Ich sage viel; doch, Engel, wisse,
Ich denke mehr.
Gieb noch Gehör
Und stärke mich durch Küsse!
Sonst bringt mein Sterben
Auch dein Verderben
Durch dieses tief geholte Weh,
Mit dem ich gleich zur Grube geh.


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