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3.

(Als die Phyllis zu Wasser verreisen wollte.)

Du hast mich klug genug probiert
Und kennst, mein Kind, mein zärtlich Lieben;
So scharf du mich herum geführt,
So fest ist Wunsch und Treu verblieben,
Da nichts als Phyllis in der Welt
Mir noch die Sterbenslust vergällt.

Aus dieser süßen Redlichkeit
Entspringt nunmehr mein traurig Wesen;
Du fühlst ja wohl mein zitternd Leid
Und kannst es aus der Stirne lesen.
Was macht es? Dein verwegner Schritt,
Der hurtig an das Ufer tritt.

Dein Abschied lockt dich auf das Meer:
Ich dürfte dich bald thöricht nennen.
Wo nimmst du das Vertrauen her?
Du mußt das Wasser noch nicht kennen,
Ach, hat man dir noch nicht erzählt,
Was Hero vor ein Grab gewählt?

Die Trennung thut mir freilich weh,
Doch fürcht' ich mehr um deinetwegen.
Was wird dir nicht die wilde See
Vor Ekel, Schmerz und Angst erregen,
Wenn Wetter, Sturm und Blitz und Nacht
Kompaß und Mast zu Schanden macht!

Geh' in dich, allerliebster Schatz,
Und untersuche dein Gewissen.
Hier ist der Rache Richterplatz,
Hier muß der kleinste Meineid büßen.
Wer weiß, wie oft auch meine Treu
Von dir bisher beleidigt sei!

Ist aber ja kein Halten mehr,
So segle mit geneigten Winden!
Der Himmel giebt auch mir Gehör,
Du wirst den Hafen glücklich finden.
Doch, Engel, denk' auch stets an den,
Den Stern und Ufer warten sehn.


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