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11.

(An die Frau von Breßlerin.)

Nur fort, gelehrt' und muntre Dame!
Dein Fuß betritt das rechte Gleis,
Worauf dein ewig grüner Name
Den Tempel später Ehren weiß.
Die Tugend läßt sich nicht verschweigen,
Sie liebt so gut Gefahr als Zeugen,
Sie will durch Zeit und Länder gehn,
Sie blitzt den Neidern ins Gesichte
Und kann mit ihrem reinen Lichte
Ohn' Unruh nie im Winkel stehn.

Der Trieb, vor andern groß zu werden,
Reizt edle Seelen von Natur,
Erleichtert Arbeit und Beschwerden
Und findet die geheimste Spur;
Ein jeder sehnt sich, viel zu gelten,
Wer will die Ehrbegierde schelten?
Sie ist so billig als gemein.
Daß Helden Blut und Kraft verschwitzen,
Gelehrte Schlaf und Ruh versitzen,
Was machts? Der Hang, berühmt zu sein.

Wer zeugt die alten Wunderwerke,
Die Kunst und Wissenschaft gebar?
Wer gab dem Alexander Stärke,
Wer hielt den Pyrrhus in Gefahr,
Wer macht den Curtius verwegen,
Wer schärft dem Cäsar Kiel und Degen,
Warum verlacht Eugen den Neid?
Wer gab dem Titus Lieb' und Güte,
Dem Socrates ein fromm Gemüthe?
Die Lust zur Unvergänglichkeit.

Zwar, diese, wenn ichs recht erwäge,
Ist freilich kein so gründlich Gut;
Denn wenn ich Haupt und Füße lege,
So fühl' ich nicht, wie wohl sie thut.
Die Enkel kosten unsre Früchte,
Uns folgt ein blind und leer Gerüchte,
Wovon uns kein Genuß erquickt.
Doch ist ein hoher Geist zufrieden,
Wofern nur, wenn sein Leib verschieden,
Sein Ruhm der Nachwelt Ohr entzückt.

Der Pöbel kann es zwar nicht reimen,
Daß Nachruhm auch ein Leben sei,
Er nennt es nur ein süßes Träumen
Und kluger Thoren Phantasei;
Er liebt nur Irrthum, Nacht und Wüste,
Hat mit dem Vieh so Wunsch als Lüste
Ja, gar den Untergang gemein.
Man gönn' ihm dieses todte Leben
Und suche stets dahin zu streben,
Wo Fleiß und Musen Glanz verleihn.

Die Musen lohnen ihren Kindern
Mit innerlicher Freud' und Ruh,
Ihr Spielen kann den Gram verhindern
Und lockt Geduld und Trost herzu.
Man lernt die Eitelkeit betrachten,
Man lernt sie schätzen und verachten;
Man bessert Wandel und Verstand,
Man überwindet Furcht und Schrecken,
In welchen Wahn und Einfalt stecken,
Und macht sich Gott und Welt bekannt.

Dieß ist der Vortheil rechter Dichter,
Die klug, gelehrt und redlich sind:
Sie lachen aller Splitterrichter
Und schlagen Geiz und Neid in Wind;
Sie finden sich in jedes Glücke,
Sie sehn das feindlichste Geschicke
Vor Prüfung, nicht vor Strafen an;
Sie wollen bessern und ergetzen
Und pflegen nichts vor hoch zu schätzen,
Als was die Wahrheit leiden kann.

Dein Herz, gelehrte Mariane,
Ist auch ein feuerreicher Quell,
Sein Blut macht deines Adels Fahne
Zum Beispiel aller Enkel hell;
Der Ausbruch deiner klugen Sinnen
Vermählt dich mit den Pierinnen.
Verleugne nur nicht deinen Werth,
Er blitzt aus Stellung, Aug' und Schriften
Und wird dir noch ein Denkmal stiften,
Das weder Staub noch Zeit verzehrt.

Nur wuchre bald mit diesem Pfunde
Und treib das angefangne Spiel!
Der Einbruch von der letzten Stunde
Ist keinem ein bekanntes Ziel;
Am besten wird sich der versorgen,
Der lieber um den frühen Morgen
Als um den Mittag Blumen bricht;
Vor Abends kann viel anders werden.
So geht es immer auf der Erden:
Wer Ruhm begehrt, der säume nicht.

Wem aber, fragst du, zu Gefallen?
Wem nützt wohl meine Poesie?
Wer soll aus meiner Flöte schallen,
Und wessen Lob vergilt die Müh?
Karl macht in Ungarn goldne Zeiten,
Karl ist es, dem der Ruhm der Saiten
Vor allen überhaupt gebührt;
Eugen folgt nach, und denn die Liebe.
Bedenke, was dir ihre Triebe
An deinem Breßler zugeführt!

Nur er verdiente dich auf Erden,
Nur du verdientest den Gemahl:
Beschreib den Wohlstand der Geberden,
Damit er dir das Herze stahl,
Besinge seiner Tugend Würde,
Das Heil der Stadt, der Aemter Bürde,
Den allemal gesetzten Geist,
Den steten Fleiß, das viele Wissen,
Den klugen Scherz, das treue Küssen,
Und was du sonst am besten weist.

Da hast du Stoff genug zum Singen,
Stimm' an und nimm die Kunst von dir.
Ich soll dich auf den Pindus bringen.
Was denkt wohl dein Befehl von mir?
Ich küsse zwar die Huld zum Scherzen,
Doch hör' ich mit erschrocknem Herzen
Die Prüfung des Gehorsams an.
Versuche mich durch andre Mittel,
Ich bin nur ein Poet am Titel,
Den jeder Stümper kaufen kann.

Die beste Regel wohl zu Dichten
Ist angeborner Fleiß und Lust,
Du brauchst dich nur nach ihr zu richten
Und hast den Phöbus in der Brust;
Dein Umgang soll mich erst entzünden,
Und, wenn wir Vers und Reim verbinden,
Den kalten Worten Geist verleihn.
Das Glücke, dir gedient zu haben,
Wird in Ermanglung beßrer Gaben
Mein Ansehn bei der Nachwelt sein.


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