Autorenseite

 << zurück weiter >> 

4.

(An seine harte Schöne.)

O geh nur, harter Sinn, begieb dich außer Landes,
Fleuch an das Aeußerste des kalten Cymberstrandes,
Fleuch hin, wo Sonn' und Tag des Jahres einmal wacht!
Du sollt mich folgen sehn, und wenn mich Frost und Klagen
Vor deiner Thür erstickt, mit schwerem Herzen sagen:
Das hätt' ich nicht gedacht.

Allein, verstocktes Herz, das läßt sich leicht gedenken,
Du hörest Tag und Nacht mein ungewöhnlich Kränken,
Du siehst mich schwach und blaß vor Haus und Fenster stehn;
Der Nordwind pfeift ums Dach und heulet in den Linden,
Ich lieg' auf Eis und Schnee, die mehr als du empfinden
Und selbst vor Leid zergehn.

Ach, grausam schönes Kind, ach, laß den Hochmuth fahren,
Die Lieb' ist Stolzen gram und stürzt sie mit den Jahren,
Es ist noch kurze Zeit, so wendet sich das Blatt;
Du folgst Penelopen, ja, folg' ihr auch am Stande;
Die wegen seiner Höh' und ihres Ehherrn Schande
Zu halten halten, aushalten, ausharren. Ursach hat.

Denn obgleich, gutes Kind, die Klug- und Schönheitsgaben
Der Mutter aller Welt dein Herz bereichert haben,
Obgleich kein heißes Flehn dieß Herz in Fessel bringt,
Obgleich dein Angesicht im ersten Lenze grünet
Und Kunst und Wissenschaft, so treu sie dich bedienet,
Nur tauben Ohren singt:

So spotte darum nicht, du solt es näher geben,
Es bleibt nicht immer so, ich will es wohl erleben,
Daß Iris, die jetzt lacht, sich selber strafen soll;
Wie manche ward vor dir von Freiern hoch gepriesen!
Jetzt macht ihr Schimpf den Korb, mit dem sie viel verwiesen verweisen, abweisen.,
An Flederwischen voll.


 << zurück weiter >>