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9.

(Als er endlich wagte, ihr seine Liebe zu entdecken.)

Flammen in der Brust empfinden
Und dabei nicht Feuer schrein,
Heißt die Ruthen größer binden
Und sein eigner Henker sein.
Die Verhehlung der Gedanken
Labet keinen dürren Mund,
Und die Scham verliebter Kranken
Macht das Herze spät gesund.

Drum wohlan, mein Geist, entdecke
Dieß, was deine Sehnsucht quält,
Frisch gewagt kommt bald zum Zwecke,
Den die Furchtsamkeit verfehlt.
Nein, mein Herz, ach schweig' und glaube,
Dein Entdecken hilft dich nicht,
Weil bereits die schöne Taube
Einem andern sich verspricht.

Schweig, mein Herz, und halt die Plagen
Deiner Leidenschaft geheim,
Lerne dein Verhängniß tragen,
Koch' aus Wermuth Honigseim!
Hat die Schickung deinem Fieber
Diesen schönen Arzt versagt,
Ei so stirb doch zehnmal lieber,
Eh dein Mund die Kühnheit wagt.

Doch getrost, mein Herz, und wage
Noch den allerletzten Streich!
Doch getrost! Versuch und schlage
Felsen durch die Thränen weich!
Kluge Schönheit, meine Funken
Ueberreicht dir dieses Blatt,
Das mehr nasses Salz getrunken,
Als dein Mund jetzt Zucker hat.

Zürne nicht mit meiner Liebe,
Die die Redlichkeit gebar,
Stärke bald die reinen Triebe,
Der Verzug bringt hier Gefahr.
Dein Befehl soll stets mein Wille,
Und dein Wink mein Leitstern sein,
Schenke mir nur in der Stille
Deiner Liebe Vorschmack ein!

Mein Geblüte fühlt den Zunder,
Der von deiner Tugend fängt,
Also nimmt es mich nicht Wunder,
Wenn mein Geist an deinem hängt.
Merke nur des Himmels Schlüsse,
Sonst erfährst du von der Reu,
Daß das Honig fremder Küsse
Um das Ende bitter sei.

Ach erwäge mein Begehren!
Dein Verstand ist scharf genug;
Laß mich nicht die Glut verzehren,
Sonst wird dich der Todtenkrug
Meiner Asche noch verklagen,
Und mein kalter Leichenstein
Dir so viel zur Nachricht sagen:
Lerne doch bedachtsam sein.


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