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22.

(Als er sie seiner beständigen Treue versicherte.)

Weine nicht, mein Kind, ich bleibe
Dir bis in den Tod getreu.
Glaube, was ich denk' und schreibe,
Ist und heißt stets einerlei,
Weil die Redlichkeit zum Lieben
Mir Gesetze vorgeschrieben.

Gott und Himmel können zeugen,
Daß ich dir beständig bin;
Eher wird die Wahrheit schweigen,
Als mein falsch- und leichter Sinn
Das geknüpfte Band zerreißen
Und des Meineids schuldig heißen.

Laß die Wetter unterdessen
Ueber unsrer Unschuld stehn.
Must du bittre Mandeln essen
Und vorjetzt auf Dornen gehn,
So bedenke, das Vergnügen
Wird uns einst zusammen fügen.

Warte mit Geduld der Freude
Und der ungemeinen Lust,
Welche du mit diesem Leide
Dir zuvor verdienen must!
Endlich werden deine Thränen
Dir den Weg zur Wollust bähnen.

Jetzo geb' ich deinem Kusse
Eine kurze gute Nacht
Und gehorche diesem Schlusse,
Welchen das Verhängniß macht;
Doch will ich in wenig Tagen
Dir die Ankunft wieder sagen.

Lebe wohl! Die Zunge stammlet,
Und der Augen nasses Heer,
Das die Wehmuth schon versammlet,
Macht so Hand als Feder schwer
Und verbietet meinem Willen,
Diesen Bogen anzufüllen.


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