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28.

(Die großmüthige Geduld.)

Nur Geduld, ihr schwachen Sinnen!
Zittern hilft nicht vor den Tod.
Feige Seelen müssen passen
Und die Palmen überlassen,
Denn sie sterben vor der Noth.

Nur Geduld! Wenn Spötter rasen,
Ist die Drohung oft nur Wind;
Eichen wachsen oft aus Steinen.
Vor dergleichen Ruthen weinen,
Zeigt ein unbesonnen Kind.

Nur Geduld! Das falsche Glücke
Prüft die Helden durch den Streit;
Ohne Blut ist wohl kein Siegen,
Und ein wahres Selbstvergnügen
Kommt nicht ohne Kampf und Leid.

Nur Geduld, wenn Neider prahlen,
Denn es ist ein Uebergang!
Eh wir oft die Hand verkehren,
Wird ihr Lachen schon zu Zähren,
Und die Lust ein Mordgesang.

Nur Geduld! Die rechte Liebe
Grünet auf Beständigkeit;
Läßt uns manche Schönheit warten,
Giebt uns endlich doch ihr Garten
Blumen der Zufriedenheit.

Nur Geduld! Auf Sturm und Blitzen
Wird die Luft so rein als klar;
Wetter, Feind und Neid und Glücke
Machen mir nicht nasse Blicke;
Darum sing' ich in Gefahr:
Nur Geduld! Auf Sturm und Blitzen
Wird die Luft so rein als klar.


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