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10.

(Auf den zwischen Ihro Röm. Kaiserl. Majestät und der Pforte 1718 geschlossenen Frieden.)

Eugen ist fort. Ihr Musen, nach!
Er steht, beschleußt und ficht schon wieder,
Und wo er jährlich jährlich, im vergangenen Jahre. Palmen brach,
Erweitert er so Grenz' als Glieder.
Sein Schwert, das Schlag und Sieg vermählt
Und, wenn es irrt, aus Großmuth fehlt,
Gebiert dem Feind ein neues Schrecken
Und stärkt der Völker Völker, Truppen. Herz und Macht,
Die unter Adlern, Blitz und Nacht
Die Flügel nach dem Monden strecken.

Die Walstatt ist noch naß und lau
Und stinkt nach Türken, Schand' und Leichen;
Wer sieht nicht die verstopfte Sau
Von Aesern faul und mühsam schleichen?
Und dennoch will das deutsche Blut
Den alten Kirchhof feiger Wuth
An jungen Lorbern fruchtbar machen,
Und gleichwohl hört der dicke Fluß
Des Sieges feurigen Entschluß
Aus Mörsern und Karthaunen krachen.

Es schnaubt des Ueberwinders Roß,
Es schäumt und riecht den Streit von fernen,
Das Glücke mengt sich in den Troß,
Um von Eugen Bestand zu lernen.
Die Luft ertönt, das Ufer bebt,
Der Reiter brennt, das Fußvolk strebt,
Den wilden Haufen anzurennen,
Und wer nicht schärfer sinnt als sieht,
Der dürfte, wenn die Mannschaft zieht,
Ihr Heer ein fliegend Herze nennen.

Nur drauf, du Kern der deutschen Treu!
Nur drauf, du Kraft aus Hermanns Hüften!
Beweise, wer dein Ahnherr sei
Und krön' ihn auch noch in den Grüften!
Dein Haupt, dein Beispiel, dein Eugen
Läßt alle, die dir widerstehn,
Ein tödliches Verhängniß wissen;
Er steht, er eilt, er würgt dir vor,
Es ist noch um es ist noch um, es handelt sich nur noch um. ein eisern Thor,
So wird die Pforte springen müssen.

Dort, wo der Zeiten Eigensinn
Die Brücke des Trajans zertrümmert,
Dort wirf die Augen vor dir hin,
Dort merke, was so schwärmt und schimmert.
Es rauscht, wie Panzer und Gewehr,
Es ist ein römisch Geisterheer,
Es sind die Seelen alter Helden;
Sie kommen, deinen Muth zu sehn,
Und werden, was durch ihn geschehn,
Der Ewigkeit voraus vermelden.

Braucht, tapfren Sieger, braucht das Heft
In Gegenwart so seltner Zeugen,
Die, wo mich nur kein Blendwerk äfft,
Aus jenem dunkeln Reiche steigen.
Warum? Sie wollen nicht allein
So schlecht und faule Zeugen sein,
Sie helfen euch im Sieg und Schlagen;
Denn hat ihr Schatten gleich kein Herz,
So kann er doch wol hinterwärts
Den Feind mit kaltem Schauer plagen.

Gieb acht, erschrocknes Morgenland!
Du kennst den Blitz, des Adlers Stärke,
Er waffnet unsers Helden Hand
Und zielt auf größre Wunderwerke:
Hier Schwert des Herrn und Gideon!
Auf, blasse Türken, auf, davon!
Nein! Steht und lernt noch besser fühlen.
Hier schlägt der Degen und der Mann,
Den Gott kaum tapfrer wählen kann,
Euch Hitz' und Wahnwitz abzukühlen.

Ihr übereilt euch! Schritt vor Schritt!
Ihr kommt mit Roß, Kamel und Wagen;
So bringt uns fein das Werkzeug mit,
Den Raub bequemer weg zu tragen.
Nun strengt euch an! Es giebt Gefahr;
Nun hinkt um Mahomets Altar,
Nun fleht ihm mit gesenkten Waffen;
Nun ruft doch laut, nun schreit doch zu,
Er hält vielleicht noch Mittagsruh,
Er dichtet oder hat zu schaffen.

Umsonst! Der stumme Götz ist taub;
Ihr mögt euch selbst zu Hülfe rufen.
Kommt, seid ihr Männer, holt den Raub!
Wir reißen aus, verfolgt die Stufen folgt unsern Tritten.;
Was säumt ihr denn? Was steht ihr da?
Wie? Geht euch unser Schaden nah?
Wie? Macht euch unsre Zagheit müde?
Probiert sie! Weh uns, Amurath!
Du sinnst auf eine große That;
Was kömmt heraus, was suchst du? Friede.

Ha! Sinkt dein Hochmuth schon so tief?
Du scherzest oder hast vergessen,
Wie grausam nächst nächst, jüngst. dein Meineid rief,
Als wollt' er uns von weitem fressen.
Wie stimmt dein dort vermeßnes Schrein
Mit dieser Demuth überein?
Ja, Noth macht oft Gebet aus Flüchen;
Ja, ja, dein Herz und auch dein Mond
Sind beid' an eine Zeit gewohnt
Und zeigen sich nur zum Verkriechen.

Du hast auch wohl wahrhaftig Zeit;
Denn zwischen deinem Stehn und Weichen
War nunmehr sonst kein Unterscheid
Als unsers Angriffs Losungszeichen.
So manche Klinge stund schon bloß,
So mancher Donner schlug schon los,
Dir Hals und Lästern abzukürzen;
Europa selbst beschloß schon fest,
Dein stolz Serail, dein Hurennest,
Von seinem Rand ins Meer zu stürzen.

Bysanz erkenn' anjetzt den Werth
Von Rudolphs göttlichem Geblüte
Und küsse Karls gereiztes Schwert!
Es hat nicht minder Schärf' als Güte:
Du fehlst, es straft; du flehst, es schenkt
Und wird durch Demuth abgelenkt
Und läßt sich siegend überwinden.
Ihn selbst zwingt nichts als Buß' und Reu;
Wer lehrt dich, dumme Tyrannei,
Dergleichen kluge Waffen finden?

Wie kannst du, Schutzgott deutscher Ruh,
Der frechen Schar so bald vergeben?
O fahre mit dem Donner zu!
Ihr Fall wird doch dein Lob erheben.
Doch nein, du zeigst auch hier dein Reich
Und fesselst Feind und Zorn zugleich
Und brauchst die Keule nur zum Schützen,
Die Sanftmuth krönt dich mehr als Gold;
Denn, wenn du strafen mußt und sollt,
So willst du nur dem Sünder nützen.

Hört Frevler, die ihr weder Rath
Noch Trost, noch Schutz, noch Ablaß findet,
Und nach vollbrachter Missethat
Die Zuflucht an die Fersen bindet;
Faßt, sucht ihr Rettung und Erhör,
Die Hörner des Altars nicht mehr!
Auch Joab Joab, vgl. 1 Könige 2. kann nicht sicher flüchten.
Kommt, faßt des sanften Kaisers Knie!
Hier liegt sein Herz, hier giebt sichs Müh,
Die Thorheit mit Geduld zu richten.

Verwegne Feder, halt doch ein
Und schone Karls vollkommne Gaben!
Sonst werden wir die ersten sein,
Die diese Freistatt nöthig haben.
Die Wahrheit haßt die Malerei,
Dein Lob macht doch kein Conterfei;
O trag' ein ehrerbietig Schweigen
Und weis' in Habsburgs Ahnensaal
Und sprich: Karl faßt sie allzumal;
So kannst du seine Größe zeigen.

Zurück, ihr Musen, in das Feld!
Dort sproßt der Oelzweig aus den Lanzen,
Irene Irene, der Friede. flicht ein Zauberzelt;
Geht, springt mit ihr auf Wall und Schanzen!
Die Schwerter werden sichelkrumm,
Das Glücke schmelzt die Kugel um
Und geußt den Helden Ehrensäulen,
Die Freudenglut frißt Kraut und Loth,
Das Stücke wirft mehr Lust als Tod
Und darf nicht mehr gefährlich heulen.

Schläft Naso Naso, Ovid starb in Tomi am Schwarzen Meer, jetzt Temesvar. noch um jenen Ort,
Wohin ihn das Geschrei das Geschrei, das Gerücht. begraben,
So wünscht' ich mir ein Allmachtswort,
Nur ihn dadurch erweckt zu haben.
Jetzt dächt' er nie ans Vaterland,
Jetzt würde sich so Harf' als Hand
In Karls Person und Ruhm verlieben;
Jetzt wär' Eugen sein Lobgesang;
Jetzt spräch' er: Cäsar, habe Dank!
So glücklich hast du mich vertrieben.

Die Freude zieht sich weit herein
Und wächst mit Meilen und in Städten,
Die unter Thau und Sonnenschein
Vor Leopolds Geschlechte beten.
Der Tempel raucht von heilger Pflicht,
Die Priester tragen Recht und Licht
Und liegen vor den Dankaltären.
Vornehmlich sieht das hohe Wien
Die Opferflammen aufwärts ziehn
Und von der Türken Beute zehren.

Die Regung macht mich ungeschickt,
Das frohe Deutschland abzureißen abreißen, abzeichnen, schildern.;
Wohin des Adlers Aufsicht blickt,
Da muß dieß Jahr ein Halljahr Halljahr, Jubeljahr. heißen.
Der Friedensherold bläst und jagt
Und wird von Groß und Klein gefragt;
Der Greis läßt Stock und Schwachheit fallen;
Die Jugend spielt, die Kindheit singt,
Und das, was noch aus Brüsten trinkt,
Erklärt sich durch ein holdes Lallen.

Hier kommt ein junger Ritter an
Und findet in dem nächsten Garten,
Der alle Straßen zeigen kann,
Sein schönes Kind mit Schmerzen warten.
Da geht es an ein zärtlich Thun,
Da läßt der Kuß den Mund nicht ruhn,
Da stockt das zitternde Willkommen,
Da wird, was immer schmeicheln mag,
Als wär' ein andrer Hochzeittag,
Mit Hand und Mienen vorgenommen.

Dort spitzt ein voller Tisch das Ohr
Und horcht, wie Nachbars Hans erzähle;
Hans ißt und schneidet doppelt vor
Und schmiert sich dann und wann die Kehle.
Da spricht er: Schwäger, seht nur her,
Als wenn nun dieß die Donau wär,
(Hier macht er einen Strich von Biere,)
Da streiften wir, da stund der Feind,
Da ging es schärfer, als man meint.
Gott straf! Ihr glaubt mir ohne Schwüre.

Dort muß ein tapfrer Witwensohn
Der Mutter neuen Trost erwerben,
Und schliefe nicht der Vater schon,
So müst' er jetzt vor Freude sterben.
Das gute Weib ist froh und rennt
Und ändert gleich ihr Testament
Und flucht dem falschen Todtenscheine
Und denkt: Nun hab' ich einen Stab
Und weiß, wer einmal um mein Grab
Aus Treu' und reinem Herzen weine.

So sah der Griechen Jubel aus,
Als dort nach zehn Belagrungsjahren
Der Dardaner verwünschtes Haus
In geilem Feuer aufgefahren.
Korinth und Argos und Athen
Ließ Kampfplatz, Stall und Schulen stehn
Und lief, die Schiffe zu empfangen;
Weib, Kind und Kegel drang an Port
Und keins verstund sein eigen Wort
Vor Jauchzen, Fragen und Verlangen.

Mich deucht, die Zeitung nährt sogar
Auch unbeseelte Creaturen;
Der Hundsstern brennt und eifert zwar,
Und doch erquickt der Lenz die Fluren;
Wald, Förste, Thäler, Berg und Hain
Gehn hier und dar ein Bündniß ein,
Die süße Nachricht auszubreiten:
Die Nymphen scherzen um den Sand
Und spritzen mit geübter Hand
Viel Bogen nasser Lustbarkeiten.

So weit die Donau, wie sie soll,
In christlichem Gehorsam fließet,
Und mehr begierd- als wasservoll
Sich unter Karls Gebot ergießet,
So weit vermehrt sie ihre Lust
(Denn Freude zieht das Blut zur Brust)
Durch Beitrag aus den kleinen Flüssen,
Die jetzt den stündlichen Tribut,
Weil große Freude viel verthut,
Geschwind und doppelt liefern müssen.

Dort kommen Drave, Sau und Theiß
Und bringen ihr viel starke Fluthen;
Hier wächst sie durch des Sieges Schweiß
Und durch der Janitscharen Bluten.
Damit so fleucht ihr schneller Lauf5
Und hält die Wellen nirgends auf,
Als wo sie sich mit Fleiß verweilen,
Um, wo ich also reden mag,
Dem Ister Ister, Donau. einigen Geschmack
Von unsrer Freiheit mitzutheilen.

Nun sieh doch, wo du etwas siehst,
Du böses Ismaelsgeschlechte,
Du kommst, so oft du auswärts ziehst,
Dem Donner allemal zu rechte.
Dein toller Hund, dein stumpfer Zahn
Fällt Reich und Adler kraftlos an
Und muß so Blut als Haare lassen;
Dein Einbruch ist so gut als Flucht:
So gehts, wer fremde Schläge sucht,
Kriegt meistens Spott und Strick zu fassen.

Du sündigst auf Vergebung los,
Und außer Karls Verdienst und Glücke
Ersieht die Sonne nichts so groß
Als deines Hochmuths Schwäch' und Tücke;
Dein Frevel kämpft mit eigner Qual
An Vorzug, Länge, Stärk' und Zahl
Und siegt sich selber zum Gehöhne.
Geh, trag nun den verwirkten Hals,
Ja gar den Aufschub deines Falls
Von Oesterreichs Geduld zum Lehne.

Nur glaube nicht, verschnittner Schwarm,
Dein Meineid sei so durchgekommen,
Nachdem sein ganz zerschellter Arm
Zehn Jahr zur Heilungsfrist genommen.
Der Friede, der die Noth nur faßt,
Und den du halb erbettelt hast,
Erlöst dich nicht vom Zorngerichte:
Nein, nein, verstockter Pharao,
Die Langmuth lacht und thut nur so,
Damit sie deine Bosheit sichte.

Zerreiß den falschen Alkoran,
Er hat dich lang genug betrogen;
Dein letzter Fall rückt endlich an
Und steigt mit unserm Siegesbogen.
Die Rach' ist kein vergeßlich Weib,
Sie dringt zwar langsam auf den Leib,
Allein mit desto schärferm Streiche.
Dein angemaßter Kaiserthron
Erschrickt und wankt und wittert schon
Die Eitelkeit gestohlner Reiche.

Du, dem zu Lieb' Eugenius
Des Aufgangs Untergang verschoben;
Du, dem des Allerhöchsten Schluß
Sein hohes Strafamt aufgehoben,
Komm fort und eil' aus Blut und Schoß,
Komm, eil' auf unsre Zeiten los!
Komm, komm aus Karls geweihten Lenden!
Es hält sich Asien gefaßt,
Dir ehstens, angenehmer Gast,
Sein reiches Erbland zuzuwenden.

Was zieht sich vor ein Vorhang weg?
Ich seh den Schauplatz später Zeiten:
Dort hör' ich einen Scanderbeg,
Dort seh' ich einen Gottfried streiten;
Die Palmen grünen um sein Haupt,
Man heult, man jauchzt, man schlägt, man raubt,
Kein Kreuzzug macht ein solches Lärmen;
Der Erden größt- und dritter Theil
Zerreißt der Sarazenen Heil
Und würgt den Hund mit seinen Därmen.

Der Nil erschrickt, Damascus brennt,
Es raucht auf Ascalons Gebirgen,
Und durch den ganzen Orient
Herrscht Unruh, Hunger, Pest und Würgen.
Der Jordan steht wie Mauern da,
Als käm' ein andrer Josua;
Er kommt auch, doch aus deutschem Samen.
Wie heißt er? Ja, die Schickung winkt,
Und raubt mir, weil der Vorhang sinkt,
Stand, Vorwitz, Schauplatz, Held und Namen.

Was macht in Ungarn der Soldat
Vor grausam klägliche Geberden?
Er dringt sich vor den Kriegesrath
Und hört voll Unruh Friede werden.
Er murrt, er zörnt, er schilt den Bund,
Wodurch der abgewiesne Hund
Der heurigen Gefahr entgangen;
Und ehrt' er nur nicht den Eugen,
So sollt' er sich wol unterstehn,
Den Krieg von frischem anzufangen.

Sein Eifer hat auch ziemlich Recht,
Es muß die Tapferkeit verdrießen,
Wenn Kleinmuth ihren Fortgang schwächt,
Und Thränen statt des Blutes fließen.
Sie sucht nur Wehr und Widerstand,
Sie sucht mehr Ruhm als Leut' und Land
Und giebt nur ein verbittert Lachen,
Wenn, eh ihr Degen Wunder thut,
Feind, Zelt, Geschütz und Hab und Gut
Den Siegeswagen enge machen.

Ihr guten Deutschen, laßts nur sein
Und sprecht den tapfern Zorn zufrieden!
Die Lorbern gehn gleichwol nicht ein,
Sie grünen mitten in dem Frieden.
Der Palmbaum ist nicht schlimm versetzt,
Wofern ihn fettes Ufer netzt:
Das hofft man auch von euch zu schreiben.
Geht, zieht ans Meer, und kämpft und sucht
Iberiens verlorne Frucht
In Welschlands Gärten aufzutreiben.

Hält hier der Stillstand euren Muth,
So kann er dort mit Nachdruck blitzen;
Nicht anders pflegt der Adern Blut
Nach kurzer Stemmung scharf zu spritzen.
Dort spannt ein neuer Friedensbruch
Ein neu und feindlich Segeltuch;
Geht, geht und zeigt dem Niedergange
Ein schwarz und blutig Abendroth,
Damit die Flotte, so euch droht,
Den Port in Charons Kahn erlange.

Wo schweif' ich hin? Wo bleibt mein Held?
Entzieht er sich vielleicht der Erde?
Wie, oder hebt sich nur sein Zelt,
Damit es nicht entheiligt werde?
Ja, ja, ich seh die Ewigkeit,
Sie webt und stickt sein Ehrenkleid,
Umgiebt sein Bildniß mit den Sternen
Und führt es zum Vergöttern auf;
Nun mag der Enkel Lebenslauf
Den Vorzug unsrer Tage lernen.

O Prinz, o großer Prinz, wie weit,
Wie weit entfernst du dich dem Neide
Und auch sogar der Möglichkeit,
Daß etwas deinen Kranz beschneide!
Homer, behalt dir den Achill!
Aeneas bleibe, wo er will!
Sie sind am längsten groß gewesen,
Sie weichen doch mit Ehren aus;
Denn dieß ist auch ein Lorberstrauß,
Dem stärksten Palmen nachzulesen.

Die Seele weiß von keiner Ruh,
Sie zeugt Gedanken aus Gedanken:
So, theurer Held, verfährst auch du
In deinen weiten Lebensschranken;
Dein Eifer braucht Gelassenheit,
Das Wesen seiner Tapferkeit
Besteht in lauter klugen Siegen,
Dein Alter blitzt so spät als früh;
Was wollte wol die Poesie,
O Held, zu deinen Ehren lügen?

Genug, genug vor deinen Ruhm,
Genug mit blutigen Geschäften!
Trag Helm und Schild ins Heiligthum
Und laß es an die Cedern heften!
Auch Großmuth macht dem Alter Raum,
Es blüht ja schon der Mandelbaum
Auf deinen lorberreichen Haaren.
Geneuß doch einmal deine Ruh
Und sieh nunmehr auch andern zu,
Wie viel sie unter dir erfahren.

Karl ist allein geschickt und werth,
Getreue Dienste zu belohnen,
Karl, der wie Gott nichts mehr begehrt,
Als daß die Völker sicher wohnen,
Karl, dessen Ohr vom Himmel nimmt,
Was sein Befehl der Welt bestimmt,
Die kein Verhängniß mehr vergnüget,
Karl, dessen Geist den Thron erhöht
Und noch so weit darüber geht,
Als Feind und Ehrfurcht drunter lieget.

Ihr, die ein glücklich Feuer treibt,
Dem hohen Maro nachzukommen,
Was macht es, daß ihr sitzen bleibt?
Ihr habt nicht rechten Stoff genommen.
Ihr sinnt, ihr schreit mit Angst und Müh,
Reimt Fabeln und vergeht wie sie.
Kommt, wollt ihr hoch und ewig leben,
Kommt, setzt die goldnen Federn an
Und schreibt, was Gott und Karl gethan!
Der Adler wird euch mit erheben.

Ja, schreibt nur, was ihr hört und seht,
Hier gilt erzählen mehr als dichten.
Europa jauchzt und Stambol fleht;
Wer weist mir dieses in Geschichten?
Die Vorsicht, so das Reich bewacht,
Erklärt den Zwiespalt in die Acht
Und lehrt uns mit versöhnten Blicken,
Es werde dieß sein mächtig Haupt,
Was Unrecht, List und Neid geraubt,
Den Barbarn aus den Klauen rücken.

Das Erbtheil Josephs lebt in Ruh,
Und nährt sich von des Bruders Glücke;
Der Schäfer lacht, sein Vieh nimmt zu,
Die Lämmer werden feist und dicke;
Elysiens gelobtes Land
Treibt Handel, bringt das Feld in Stand
Und baut so Korn- als Weisheitshäuser;
In Welschland blüht ein neuer Sieg;
So lehren beides Fried' und Krieg:
Der sechste Karl der größte Kaiser!

Der Sechst' an Zahl, der Erst' an Ruhm:
Ihr Zeiten, lernt den Titul fassen!
Er zieret noch kein Alterthum,
Er fliegt allein in unsern Gassen,
Er giebt der Fama Geist und Schall,
Verewigt Felsen und Metall,
Und heiligt die geritzten Bäume;
Ja, was das größte Wunder schafft,
So stärkt des großen Namens Kraft
Die Ohnmacht meiner schlechten Reime.

Herr, so vermögend wirkt dein Geist
In kalt' und schläfrige Gemüther.
Ich, den nur Wind und Hoffnung speist,
Besitze weder Kunst noch Güter;
Ich leir' im Winkel, Noth und Staub
Und bin ein ungetheilter Raub
Von so viel ungeneigten Fällen,
Die, hab' ich gleich die Pallas lieb,
Und kam' auch oft ein guter Trieb,
Mir dennoch Fleiß und Lust vergällen.

Und sieh, o Herr, auf einmal reißt
Mich deines Purpurs Anblick höher,
So schnell, daß nichts geschwinder heißt.
Was red' ich? Siegt Eugen nicht eher?
Dein Scepter führt mich auf die Spur;
Drum trotz' ich Schwachheit und Natur,
Du nimmst sie, wie den Feind, gefangen.
Herr, wächst dein Alter, wie dein Reich,
So hoff' ich mir noch viel von euch,
Ihr deutschen Schwäne, zu erlangen.

Den welken Lorber hab' ich schon,
Nun mangeln noch Verdienst und Leben;
Dieß muß ein Mäcenatensohn,
Und jenes Karls Regierung geben.
Die Allmacht lasse nur dein Haupt,
Wofern es unsre Sünd' erlaubt,
Nicht eher Stern' und Himmel zieren,
Als bis ein Alexander weint.
Dem eine Welt zu enge scheint,
Des Vaters Thaten auszuführen.

Ich, Herr, dein tiefster Unterthan,
Will, bleib' ich auch im Staube sitzen,
Noch mehr auf deiner Ehrenbahn
Als vor dem Elendsofen schwitzen.
Verstoß mich an den kalten Bär,
Ich geh', und gern, und find' ein Meer,
Dein Lob in ewig Eis zu schreiben;
Denn weil mir Augen offen stehn,
Soll Karl und Tugend und Eugen
Die Vorschrift meiner Musen bleiben.


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