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17.

(Namenreim an Madame E. R. H.) Akrostichon: Eva Rosina, gebohrne Herbstin.

Es haben Viel' ihr Zeitvertreiben
Von Bäumen ungemeiner Frucht,
Allein ich will bei Blumen bleiben;
Rath ein, was meine Wahl jetzt sucht.
Obgleich die Dörner Anfangs stechen,
So will ich dennoch Rosen brechen.

Ich kenn' und weiß dergleichen eine,
Nichts ist ihr an Entzückung gleich;
Ach würde sie nur endlich meine!
Gewiß ich hätt' ein Himmelreich.
Ein jedes Blatt auf ihrem Stengel
Beschämt den jüngsten Liebesengel.

O Liebe, die du selbst den Rosen
Herz, Lust, Geruch und Blut geschenkt,
Regiere sie, mir liebzukosen,
Nachdem es das Verhängniß lenkt;
Es soll ihr auch von mir auf Erden
Herz, Trieb und Geist gegeben werden.

Ein Kuß auf ihren Lorberblättern
Reißt meine Freiheit ewig hin;
Bleibt, Thoren, bei den Frühlingswettern,
Stehlt Sommerthau und Wintergrün:
Ich hoff' und seufze mit Verlangen
Nach Rosen, die im Herbste prangen.


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