Autorenseite

 << zurück weiter >> 

34.

(Er muntert sein Gemüthe auf.)

Du wirst noch wohl, verzagtes Herz,
Vor Unmuth in die Erde sinken,
Was helfen Thränen vor den Schmerz?
Du mußt ganz andern Julep Julep, ein beruhigender Trank mit Opium. trinken;
Wo ist dein großmuthsvoller Sinn
Mit sammt dem tapfern Vorsatz hin,
Durch Fels und Müh' empor zu brechen?
Betrachte doch den Unterscheid
Der Lieder alt- und dieser Zeit!
Was wird die Nachwelt von dir sprechen?

Erweck' einmal den faulen Muth,
Den Trunk und Wollust eingenommen,
Du brauchst fürwahr nicht schlechte Glut,
Berühmten Seelen nachzukommen.
Hier setzt es Schweiß, hier kostets Müh,
Du willst ja, daß dein Name blüh,
Der Gram verspricht dir schlechte Titel;
Er ist ein Kind der Weichlichkeit
Und ist bei dem, den Ruhm erfreut,
Das schädlichste Verhindrungsmittel.

Du weißt vor Unglück nicht wonaus:
Geduld, die Vorsicht sinnt auf Wege;
Du bist nur selbst dein Marterhaus
Und machst dich selbst zum Guten träge;
Ja, sprichst du, mein Gewissen beißt,
Indem es mir die Fehler weist,
Wodurch ich fast schon gar verdorben;
O halt' es nur noch künftig rein,
Die Hoffnung wird bald grüner sein,
Du bist ja wohl noch nicht gestorben.

Der Ernst kommt nimmermehr zu spät,
Bereute Sünde lehrt sich hüten,
Die Misgunst, so dich jetzo schmäht,
Muß endlich in in, gegen. sich selber wüthen;
Sobald du nämlich klüger gehst
Und mit geschickter Art verstehst,
Die alten Scharten auszuwetzen.
Dieß kann nun anders nicht geschehn,
Als derer Beispiel anzusehn,
Die Kunst und Weisheit höher setzen.

Der Schatten macht die Farben schön,
So wird der Fehler deiner Jugend
Des reifen Alters Glanz erhöhn,
Bekleid' es nur mit wahrer Tugend.
Kein Vorwurf hat bei Leuten Statt,
Die Straf' und Zeit gebessert hat;
Verschiebe nur den Ernst nicht länger,
Ein guter Anfang kürzt das Ziel,
Und wer im Laufen säumen will,
Dem macht die Furcht den Raum gedränger gedränger, enger..

Erhitze dich durch andrer Ruhm,
Betrachte, sag ich, deines gleichen;
Wie mancher Musen Heiligthum
Glänzt schon von ihren Ehrenzeichen?
Den ziert Asträens Sternenkranz,
Der heißt der Kanzel Licht und Glanz,
Den führt der Kranken Heil zum Glücke,
Drei zieren schon des Fürsten Stand,
Und zweien schickt Bellonens Hand
In Ost- und Westen holde Blicke.

Dieß sind jetzt die, bedenk' es recht,
Die noch mit dir vor wenig Jahren,
Da, wo man lernt und scherzt und zecht,
Vertraut' und gleiche Brüder waren;
Wie mancher ist darunter stolz,
Der damals, als ein grobes Holz,
Dir auf den Schulen schmeicheln mußte,
Wenn ungefähr der Prüfungstag
Ihm nächtlich in Gedanken lag
Und nichts als dich zum Helfer wußte.

Jetzt wird er, als ein großes Thier,
Dir kaum noch über Achsel danken.
Ach, faules Herz, wo bleiben wir?
So brich doch mit Gewalt den Schranken;
Es reizt dich selber deine Noth,
Greif' an, und adle deinen Tod,
Wer kehrt sich an die schlechte Wiege?
Ich weiß, der Himmel hilft dir nach
Und will nicht, daß dir Kreuz und Schmach
Bis in das Grab zur Seiten liege.

Der Aberglaube soll sich nicht
Vor unsrer Bischofsmütze bücken;
Ich mag durch Urtheil und Gericht
Mir weder Sack noch Küche spicken;
Es bete, wer da will und kann,
Der Höfe Pracht und Abgott an,
Mein Fuß erspart mir Pferd und Wagen;
Mein Körper ist auch nicht geübt,
Die Arbeit, so Messina giebt Die Arbeit der Galerensklaven.,
Im nassen Lager zu vertragen.

Die Musen kennen blos mein Pfund,
Dem Phöbus schenk' ich Fleiß und Leben,
Er hat mir den beredten Mund,
Ich aber ihm das Herz gegeben;
Und steht mir Meditrinens Meditrina dea, bei Festus, die heilende Göttin. Treu
Mit allzeit frischen Kräften bei,
So soll mein Nachruhm ewig grünen;
Ich aber will nach meiner Kraft
Mit Redlichkeit und Wissenschaft
Der Welt zu Gottes Ehren dienen.


 << zurück weiter >>