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5.

(Auf ein Mädchen, so er einsmals bei einem guten Freunde in der Nachbarschaft sahe zum Fenster heraussehen.)

Schweigt doch nur, ihr höhnschen Thoren,
In der kühlen Dämmrungsstill',
Da mein Herz vor Leonoren
Seine Regung zeigen will,
Weil sich ihrer Jugend Pracht
Ueberall gefällig macht.

Durch die Reizung ihrer Sitten
Komm' ich um den Freiheitsstand,
Den mir manche schon bestritten,
Aber keine noch entwandt,
Weil der Himmel ihrer Art
Meine Liebe vorgespart.

Ihrer Kleider nette Schwärze
Zeigt mir ein vergnügtes Licht,
Welches wie des Mondes Kerze
Zärtlich aus den Wolken bricht
Und der Hoffnung, die sie liebt,
Einfluß und Ergetzung giebt.

Selbst die Schönheit vom Gemüthe
Bricht durch Blick und Antlitz vor,
Und der Reden Geist und Güte
Kitzelt oft ein lauschend Ohr,
Daß mich auch das Zusehn schmerzt,
Wenn sie mit Gespielen scherzt.

O wie selig ist die Stunde,
Da man, angenehmes Kind,
Auf dem rosenvollen Munde
Deines Herzens Huld gewinnt
Und den Vorschmack jener Welt
Selbst mit dir in Armen hält.

Fliegt daher, ihr stillen Lieder,
In die schöne Nachbarschaft
Und bewegt die stillen Glieder
Durch die Wirkung starker Kraft,
Bis ein Traum von meiner Treu
Leonorens Lustspiel sei.


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