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35.

Nach einer Volksmelodie? Hauff's Lied »Morgenroth« ist nach derselben Weise gedichtet und klingt auch sonst mehrfach an.

(Abschied von seiner ungetreuen Liebsten.)

Wie gedacht,
Vor geliebt, itzt ausgelacht,
Gestern in die Schoß gerissen,
Heute von der Brust geschmissen,
Morgen in die Gruft gebracht!

Dieses ist
Aller Jungfern Hinterlist:
Viel versprechen, wenig halten;
Sie entzünden und erkalten
Oefters, eh' ein Tag verfließt.

Dein Betrug,
Falsche Seele, macht mich klug;
Keine soll mich mehr umfassen,
Keine soll mich mehr verlassen,
Einmal ist fürwahr genug.

Denke nur,
Ungetreue Creatur,
Denke, sag' ich, nur zurücke
Und betrachte deine Tücke
Und erwäge deinen Schwur.

Hast du nicht
Ein Gewissen, das dich sticht,
Wenn die Treue meines Herzens,
Wenn die Größe meines Schmerzens
Deinem Wechsel widerspricht?

Bringt mein Kuß
Dir so eilends Ueberdruß,
Ei so geh' und küsse diesen,
Welcher dir sein Geld gewiesen,
Das dich wahrlich blenden muß.

Bin ich arm,
Dieses macht mir wenig Harm;
Tugend steckt nicht in dem Beutel,
Gold und Schmuck macht nur den Scheitel,
Aber nicht die Liebe warm.

Und wie bald
Mißt die Schönheit die Gestalt?
Rühmst du gleich von deiner Farbe,
Daß sie ihres gleichen darbe,
Ach! die Rosen werden alt.

Weg mit dir,
Falsches Herze, weg von mir!
Ich zerreiße deine Kette,
Denn die kluge Henriette
Stellet mir was Bessers für.


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