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6.

(Auf die Phyllis.)

Liebe, mindre doch die Plagen,
Denn ich kann sie kaum mehr tragen,
Und die Kräfte treuer Brust
Schwinden unter Schmerz und Lust;
Oder binde mir so lange
Durch den Schlummer Geist und Sinn,
Bis ich meinen Schatz umfange,
Dem ich längst versehen bin.

Jetzo lern' ich erst empfinden,
Was dein heimliches Entzünden
Bei so schwerer Sclaverei
Vor ein grausam Leiden sei.
Vormals dacht' ich auch im Herzen,
Ich erkannte deine Macht,
Aber dies' und jene Schmerzen
Sind fürwahr wie Tag und Nacht.

Philindrene war mir günstig,
Leonore gut und brünstig,
Und von Beiden litt' ich viel,
Jetzo nenn' ichs Kinderspiel;
Philindrenens frühe Leiche
Lockten mir bei Sarg und Grab,
Wie der Andern falsche Streiche,
Manchen Fluch und Thränen ab.

Phyllis läßt mich kaum drei Morgen
Zwischen Hoffnung, Furcht und Sorgen,
Und ich schleiche durch den Thau,
Schon vor Unmuth bleich und grau;
Garten, Wald, Camin und Linde,
Alles macht mich noch betrübt,
Was mir von dem lieben Kinde
Ein Erinnrungszeichen giebt.

Ist mir doch die Welt zu enge,
Macht mir doch das Feld Gedränge Gedränge, Bedrängniß, Kummer.,
Und mein mürrisch Angesicht
Lacht dem besten Freunde nicht;
Unser Südwind hat die Stärke
Von den Seufzern meiner Angst,
Die du, Phyllis, wie ich merke,
Noch mit Fleiß von mir verlangst.

Phyllis, Phyllis, komm doch wieder,
Sonst verlieren Geist und Lieder
Das Vermögen und die Kraft,
Die dir viel Ergetzung schafft.
Licht und Schatten macht die Farben,
Und dein Blick mein Wohlergehn;
Muß ich dessen Einfluß darben,
Kann ich nimmermehr bestehn.

Meine Kunst ist hier nichts nütze,
Ob ich bei dem Fieber schwitze,
Oder mich des Raths verzeih,
Beides ist mir einerlei;
Sollt' ich dich nur sehn und rühren rühren, berühren.,
Und erwärmte mich dein Mund,
Würd' ich ohne Zeitverlieren
Auf den ersten Kuß gesund.


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