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13.

(Als er von seiner Phyllis Abschied nahm.)

Willst du mir dein Angedenken
Nur noch mit zur Reise schenken,
Geh' ich auf ein schweres Wort
Noch einmal so freudig fort.

Solche Wunden müssen schmerzen,
Wenn die Qual zerrißner Herzen
Mit der letzten guten Nacht
Aus den Küssen Seufzer macht.

Daß ich dich ins Blut geschrieben,
Das bezeugt mein treues Lieben,
Dessen angenehmer List
Deine Freiheit dienstbar ist.

Deiner Augen scharfe Blicke
Sind die unsichtbaren Stricke,
Die du mir ans Herz gelegt,
Das mir jetzt vor Wehmuth schlägt.

Zung' und Sprache stockt im Munde,
Da des Abschieds schwere Stunde
Wie ein Schlag vom Donner klingt
Und mich mit Verdruß umringt.

Ach, was werden meine Sinnen
Vor Gefahr und Angst gewinnen,
Wenn mich dein entfernter Geist
Nur mit bloßen Träumen speist.

Unterdessen muß ich leiden,
Was mir Glück und Zeit bescheiden,
Dieser Schmerzen und Verdruß
Hat den ganzen Trost: Ich muß.

Ja ich muß; doch wider Willen.
Halt dich also nur im Stillen
Und erwarte, bis ein Tag
Unsre Liebe krönen mag.

Bis mich Sarg und Staub umfangen,
Bleibt nur Phyllis mein Verlangen,
Und die Dauer meiner Treu
Schläft mir noch im Grabe bei.

Läßt auch du dich nicht verführen,
Soll mich diese Grabschrift zieren:
Dieses hier verscharrte Blut
Hegt noch in der Asche Glut.


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