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18.

Die Strophe ist einer Ode Fleming's (Leipzig 1870, S. 174) nachgebildet.

(Als er sich seiner ehemaligen Jugendjahre mit Schmerzen erinnerte.)

Wo ist die Zeit, die goldne Zeit,
Wo sind die süßen Stunden,
Worin ich von der Eitelkeit
Noch wenig Gram empfunden?
Ich war ein Kind, ich trieb mein Spiel,
Das selbst der Unschuld wohl gefiel,
Und durft' an keinem Morgen
Vor Kleid und Nahrung sorgen.

Die Einfalt gab mir Fried' und Ruh,
Der Unverstand viel Glücke;
Es satzte mir kein Zweifel zu,
Viel minder Neid und Tücke;
Kein Ehrgeiz plagte Geist und Sinn,
Ich lebt' in aller Hoffnung hin
Und fühlte kein Entzünden,
Noch unbekannte Sünden.

Ich schwör' es, die Zufriedenheit
Der armen Christtagsbürde
War dort von größrer Zärtlichkeit,
Als wenn ich Domherr würde;
Der Eindruck von derselben Lust
Erwacht mir noch in Mark und Brust,
So oft ich nur die Lehre
Des Weihnachttextes höre.

Von Fabeln bei der Rockenzunft
Empfand ich mehr Vergnügen
Als jetzt von Schlüssen der Vernunft,
In welchen Knoten liegen;
Ja wenn mir auf der Ofenbank
Ein Lied vom deutschen Kriege klang,
So schien die alte Grete
Mein künstlichster Poete.

Ein Garten, den des Vaters Schweiß
Stets vor der Thauzeit netzte,
Versüßte mir den Bücherfleiß,
Womit er mich ergetzte.
Oft war ein Nest voll Vögel da,
Da klang ein froher ἕυρηκα ἕυρηκα, ich habe es gefunden, Wort des Archimedes, als er beim Baden ein Gesetz in Bezug auf das specifische Gewicht der Körper entdeckte.,
Als dessen kaum geklungen,
Der aus dem Bad' entsprungen.

Die Nachbarskinder ließen mir
Die Ehre, sie zu lenken;
Da spielt- und lacht- und sprungen wir
Auf Rasen, Berg- und Bänken;
Was dieser hört' und jener sah,
Das in der großen Welt geschah,
Das sucht' auch ich mit vielen
Im kleinen nachzuspielen.

Der Schweden Beispiel weckt' einmal
In uns viel Andachtsflammen,
Wir knieten in gehäufter Zahl
Auch öffentlich zusammen;
Der Eifer war mehr Ernst als Schein,
Und unser täglich Himmelschrein
Hat etwan auch viel Plagen
Des Vaterlands verschlagen verschlagen, abwenden..

Wie ernstlich war ich dort ein Christ?
Wie brannt' oft mein Verlangen,
Dich, der du unser Heiland bist,
Persönlich zu umfangen?
Wie freudig dacht' ich an den Tod?
Ach Gott, gedenk' einmal der Noth,
Vor die ich, als ein Knabe,
Voraus gebetet habe.

Mit was vor Liebe, Trost und Treu
Konnt' eins das andre klagen,
Wenn etwan blinde Tyrannei
Das Stiefkind hart geschlagen;
Wir stritten leicht, doch aller Streit
War stündliche Versöhnlichkeit,
Und von der Aeltern Gaben
Must' jeder etwas haben.

Jetzt lern' ich, leider allzufrüh,
Des Lebens Elend kennen;
Es ist doch nichts als Wind und Müh,
Wornach wir sehnlich rennen.
Es gaukeln Reichthum, Stand und Kunst,
Die Wollust macht nur blauen Dunst,
Und was wir so begehren,
Muß allzeit Reu gebären.

Mein eignes Kreuz ist überhaupt
Ein Bündniß aller Schmerzen
Und geht mir, weil es niemand glaubt,
Empfindlich tief zu Herzen.
Ach, Himmel, mindre meine Qual!
Wo nicht, so laß mich doch einmal
Nur eine Gunst erwerben
Und mehre sie zum Sterben.


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