Autorenseite

 << zurück weiter >> 

16.

(An eben die Vorige.)

Versteht ihr auch, ihr sanften Hände,
Warum mich mein Verlangen drückt?
Die Freiheit, merk' ich, geht zum Ende
Und wird mir mit Gewalt entrückt;
Ich such' und denk' euch zu bewegen,
Mir stärkre Fessel anzulegen.

Ach, fragt nur eurer Schönen Herze,
Von dem ihr Blut und Feuer kriegt,
Es weiß vielleicht von diesem Schmerze,
Den mir ihr Auge zugefügt,
Ihr Auge, dessen Glück und Lachen
Mir größre Pein als Hoffnung machen.

Und hätt' ich auch noch sonst zu hoffen,
So wehrt es mir die kurze Zeit,
Es steht kein Weg zum Umgang offen;
Komm, selige Gelegenheit,
Und schaffe, daß ich zeigen könne,
Wie zart und rein mein Herze brenne.

Ich weiß, die artige Rosette
Erklärte sich vor meine Treu,
Wofern sie erst geprüfet hätte,
Wie gleich ihr mein Gemüthe sei,
Und wenn sie aus Erfahrung wüste,
Was manch Verlobter dulden müste.

Ich bin mit mancher umgegangen,
Die noch wol liebenswürdig wär;
Bis jetzo bleib' ich ungefangen.
Du, schönes Kind, kömmst ungefähr
Und rührst mich gleich zum ersten male
Auch nur mit einem holden Strahle.

Die kurze Lust der Abendstunde
Vermehrte diese Leidenschaft,
Da nahm ein Kuß vom schönen Munde
Das Herze völlig in Verhaft;
Es hieß zwar nur im Scherz und Spielen,
Allein ich kann es anders fühlen.

Dein Bildniß kam darauf im Schlummer
Dem träumenden Gedächtniß ein,
Mich deucht', ich klagte dir den Kummer,
Du schienest nicht erzürnt zu sein;
Da gab mir der verhaßte Morgen
Vor falsche Wollust wahre Sorgen.

Dieß alles ist wohl nicht vergebens,
Der Himmel paart oft wunderlich,
Zum Troste des betrübten Lebens
Begehrt' ich sonst kein Kind als dich;
Die Liebe könnte Mittel zeigen,
Und heute – doch ich muß nur schweigen.


 << zurück weiter >>