Julie de Lespinasse
Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
Julie de Lespinasse

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118.

Montags, elf Uhr abends. [15. Mai 1775.]

Nein, ich bin nicht in die Akademie gegangen. Ich wollte Sie während der Sitzung besuchen, aber Sie haben mich nicht angenommen. Die Menschen kamen dann freudetrunken aus der Akademie, und ich war so tieftraurig. Ich hatte keine Ruhe. Sie litten und hatten keine Sehnsucht, mich zu sehen. Das war mein Fühlen, und ich hörte nichts von allem dem, was um mich herum gesprochen wurde.

D'Alembert wird Ihnen von seinem Erfolge berichten. Er wird Ihnen von seiner tiefen Befriedigung über den leidenschaftlichen Beifall des Erzbischofs von Toulouse erzählen. Der Erzbischof hat Tränen der Freude und Dankbarkeit geweint. Ich liebe solche Wallungen. Sicher war es einer der glücklichsten Augenblicke seines Lebens.

Ich freue mich sehr darüber, das heißt in Gedanken. Mein Herz leidet und ist der Freude nicht mehr zugänglich. Mein lieber Freund, Sie haben es mit dem Siegel des Schmerzes verschlossen. Aber ich will nicht von mir reden.

Erzählen Sie mir, wie war die Nacht! Ich hoffe, gut! Haben Sie wenigstens kein Fieber? Soll ich um ein Uhr oder um fünf zu Ihnen kommen? Sagen Sie! Aber zwingen Sie sich ja nicht!

Frau von M[ontsauge] ist wohl nach ihrem Gute gefahren?


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