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Am Morgen.

Gott, meine Seele schreit zu dir,
Lichthände in die Fenster fassen,
Der rote Morgen jauchzt herfür –
Du kannst mich nicht versinken lassen!

Die Nacht hab ich nach dir geweint,
Doch blutlos stumpfe Stunden glitten
Verworren dunkel, stumm versteint
Herbei und ab mit Schattenschritten.

Nun ist es Licht, nun tanzt die Flut
Der Freude, daß die Wolken brennen.
Ich will dir meiner Seele Glut
In schlichten Kindesworten nennen:

Weil ich dich suchte, hat mich Not
Mit Spinnenfäden eingesponnen,
Ich ließ mein Stückchen Erdenbrot
Und rannte hin zu deinen Sonnen.

Die Leute, die mich laufen sahn,
Die lachten, ich hab's nicht geachtet,
Ich stürmte hin auf meiner Bahn,
Ich habe nur nach dir getrachtet!

Ich hab mein Tagewerk versäumt,
Weil du, mein hocherlauchtes Leben,
In meine Menschenform geschäumt,
Vom Niedrigen mich aufzuheben.

Doch Staub hält, was des Staubes ist,
Die Not schleift mich mit ihren Krallen –
Gott, der du mehr als Leben bist,
Hilf mir zu dir – sonst muß ich fallen!


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