Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Der Gottsucher.

Ich kann doch Gott nicht finden,
Ich such mich grau und such mich alt.
Nach Namen, wie ich rufen mag,
Frug ich die Nacht, frug ich den Tag –
Die Sehnsuchtspein zu binden,
Gab ich ihm Menschgestalt. –
Ich kann doch Gott nicht finden,
Ich such mich grau und such mich alt.

Ich kann ihn nicht beleben,
Sein Menschenleib ist kalt und tot,
Und wenn ich ihn bewegen will,
Er steht wie eine Puppe still.
Ich färbte, Glut zu geben,
Ihm Mund und Wangen rot. –
Ich kann ihn nicht beleben,
Sein Menschenleib ist kalt und tot.

Ich machte seine Augen,
Ich machte seine Stirne stolz.
Es war umsonst; es glückte schlecht:
Die Stirn blieb Knecht, das Auge Knecht –
Mein Bildwerk will nicht taugen,
Es ist aus schlechtem Holz. –
Ich machte seine Augen,
Ich machte seine Stirne stolz.

Ich hab das Bild zerschlagen,
Es ist doch nur ein Possenspiel –
Nun spür ich im Geschaffenen hin
Mit heißerregtem Suchersinn.
O sagt, wen soll ich fragen,
Wie bring ich mich ans Ziel! –
Ich hab das Bild zerschlagen,
Es war doch nur ein Possenspiel.


 << zurück weiter >>