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Rede zur Hochzeit von Eberts Tochter Amalie

Aus dem Nachlaß.

Lassen Sie mich, auch namens meiner Frau, Sie nochmals herzlich willkommen heißen und Ihnen danken, daß Sie unserer Einladung gefolgt sind. Unsere schlichte Familienfeier, soweit man heute überhaupt von Feiern reden darf, gilt unserem jungen Ehepaar, unserer Tochter Amalie und unserem Schwiegersohn Dr. Jaenecke, die heute ihren Ehebund geschlossen haben. Der alte Grundsatz »Langsam verloben und bedächtig verheiraten« scheint sie nicht beeindruckt zu haben. Wenn ich recht im Bilde bin, haben sie sich schnell verliebt, dann schnell verlobt und noch schneller verheiratet. Gehört dazu schon in normalen Zeiten allerlei Courage, so ist sie heute in viel höherem Maße erforderlich. In meiner Heimat gibt es ein altes Sprichwort, das sagt: Gehst du in den Krieg, so bete einmal, gehst du zur See, zweimal, in die Ehe, dreimal. In unserer materiellen Zeit, in der die Welt in allen Fugen ächzt, ist es mit dem Beten allein nicht getan. Für viele Menschen ist heute der einzige Gott die Valuta, sie regiert die Stunde. So gehört zum Heiraten – ich will nicht sagen, Heldenmut – aber doch ein starker unerschütterlicher Lebensmut, Lebensmut, der sich geltend macht in Fleiß, Tüchtigkeit, Tatkraft und in einem oft hohen Maße von Entsagung. Daß dieser Lebensmut unser junges Paar immer erfüllen möge, wünsche ich von ganzem Herzen. Ihr Lebensschifflein wird in dieser stürmischen Zeit nur dann gute Fahrt haben, wenn es sich in diesem Kurse hält. Machen sich unsere jungen Eheleute, die heute ihr Elternhaus verlassen, stets die Pflichttreue und den geraden schlichten Bürgersinn so zum Prinzip, wie sie es im Elternhause gelernt haben, dann sind sie, wie ich glaube, gegen die Stürme des Lebens einigermaßen gewappnet. Doch zur Ehe gehören auch ideale Güter. Vor allem Liebe und Glück. Was die Liebe anlangt, so scheint es mir hier eines besonderen Anspornes nicht zu bedürfen. Ihr seid beide jung und frisch, und die Frische der Jugend ist nun einmal die wahre Grundlage der Liebe. Hoffentlich löse ich bei unseren bejahrteren Damen und Herren nicht zu wehmütige Betrachtungen aus, wenn ich das schöne und ewig wahre Wort Schillers dem jungen Paare ins Stammbuch schreibe:

O daß sie ewig grünen bliebe,
die schöne Zeit der jungen Liebe.

Was nun das Glück anlangt, so könnte ich auf das alte Wort verweisen: Jeder ist seines Glückes Schmied. So viel Wahrheit auch in diesem Worte liegt, als alter Handwerker weiß ich aber, daß auch zum Schmiedehandwerk Glück gehört. Ich glaube, da müssen wir uns an die Philosophie halten. Da habe ich kürzlich eine lange und breite Abhandlung gelesen, die zum Schluß kam: Glück sei Liebe. Ist das richtig – und ich zweifle nicht daran –, dann muß nach Adam Riese Liebe auch Glück sein. Und da Ihr die Liebe habt, so müßt Ihr also auch das Glück haben. Sichert Euch also das eine, so werdet Ihr auch das andere besitzen. Oder mit anderen Worten: Gebt Euch beide Mühe, daß es mit der Liebe und mit dem Glück immer so bleibt, wie es heute ist!

So wünsche ich unserem jungen Ehepaare von ganzem Herzen: Gesundheit, Glück und reichen Segen und nicht zuletzt ewigen Frieden. Möge Eure Ehe immer ein wahrer Bund des Herzens sein, möge sie ein Band aufrichtiger und herzlicher Freundschaft immer um die Familien Jaenecke und die meine schlingen! Glückliche Zukunft!


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