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Der Geist der Arbeit am Ganzen

Ansprache an die Generäle der Reichswehr. 3.6.1920

Eine unbedingt verfassungstreue, gut disziplinierte und von pflichtbewußten Offizieren geführte Truppe ist in Zeiten der Gärung und Entwicklung notwendiger denn je. Die Organisation des Heeres ist geschaffen; sie nun auch ganz zu erfüllen mit dem Geiste der Treue zur Verfassung und zum Volksganzen, dem Gefühle der Verantwortung für Recht und Gesetz und dem Gedanken selbstloser Hingabe für das Vaterland und dessen Zukunft, ist eine Aufgabe, die in Ihren und der übrigen Führer Händen ruht. Meine Herren, ich habe volles Verständnis für die heutige schwierige Lage des Offiziers. Mit dem Abbau des alten Heeres verschwindet sein Beruf, für den er seine Lebensarbeit eingesetzt hat. Und der kleine Teil der Offiziere, der im neuen Heere steht, kommt in der langen Übergangszeit nicht aus wirtschaftlicher Unsicherheit heraus. Soweit es möglich, haben wir dem mit Fürsorgemaßnahmen entgegengewirkt. Ich erkenne auch dankbar an, was oft unter schwierigen Verhältnissen und Opfern die Reichswehr – Führer und Mannschaften – bisher für die Sicherheit und Erhaltung des Vaterlandes geleistet haben. Die Erhaltung der Ruhe im Innern ist die erste Voraussetzung für die Wiederbelebung und Erstarkung unseres Vaterlandes. Das Ziel, das uns allen gemeinsam sein muß, erreichen wir aber nur durch ruhige Entwicklung auf dem Boden der Verfassung und der Gesetze; nur so können wir Vaterland und Volk vor Not und Vernichtung schützen. Tragen Sie, meine Herren Generäle, diesen über der persönlichen Anschauung des einzelnen stehenden Geist der verantwortlichen, pflichtbewußten Arbeit am Ganzen in Ihren Befehlsbereich überall hin, pflegen und erhalten Sie ihn, dann wird die Reichswehr, vom Vertrauen aller mitarbeitenden Volksschichten umschlossen, ein wichtiger Grundstein des Wiederaufbaues unseres Vaterlandes sein.


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