Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Das Mißtrauen zwischen England und Deutschland

Erwiderung auf die Ansprache des Kgl. Großbritannischen Botschafters Lord D'Abernon. 2.7.1920

Indem ich die Ehre habe, aus den Händen Euerer Exzellenz das Schreiben Seiner Majestät des Königs von England entgegenzunehmen, wodurch Sie als Botschafter bei mir beglaubigt werden, ist es mir in hohem Grade erfreulich, damit die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien wiederhergestellt zu sehen.

Auch die Worte, die Sie an mich gerichtet haben, finden bei mir und, wie ich überzeugt bin, beim ganzen deutschen Volk verständnisvollen Widerhall. In der Tat ist die Lage, der die Regierungen aller Länder heute gegenüberstehen, beispiellos schwierig. Mit vollem Recht erblicken Sie als einziges Mittel zur Überwindung der Weltkrise gemeinsame Zusammenarbeit aus der Überzeugung, daß das Wohl des Einzelnen von dem Wohl aller nicht zu trennen ist. Ihre Worte, die diesem Gedanken beredten Ausdruck gegeben haben, begrüße ich als eine verheißungsvolle Einleitung für Ihre Tätigkeit in unserer Mitte.

Die deutsche Regierung und das deutsche Volk sind sich einig in dem ernsten Entschluß, den übernommenen Verpflichtungen unter Aufbietung aller Kraft bis an die Grenze des Möglichen gerecht zu werden. Wir wünschen aufrichtig, daß es dem guten Willen auf beiden Seiten gelingen möge, die stellenweise zurückgebliebene Atmosphäre des Mißtrauens überall zu zerstreuen und durch Vertrauen und wahre Friedensstimmung zum Wohl aller Völker zu ersetzen.


 << zurück weiter >>