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Die Aufgaben der Schupo

Ansprache an die Schutzpolizei. 11.8.1924

Zum fünften Male jährt sich heute der Tag, an dem das deutsche Volk sich in Weimar das neue Grundgesetz seines staatlichen Lebens, die demokratisch-republikanische Reichsverfassung, gegeben hat. Fünf Jahre sind seit jenem bedeutsamen Tage vergangen, Jahre reich an Drangsal und Demütigung durch unsere Gegner, reich leider auch an Kämpfen der Deutschen untereinander. Aber das Bewußtsein der Schicksalsgemeinschaft und der gesunde, staatsbewußte Sinn der großen Mehrheit unseres Volkes war dennoch stark genug, um auf dem in Weimar gelegten Fundament die staatliche Ordnung und das Reich zusammenzuhalten und zu festigen. Es ist mir eine lebhafte Genugtuung, daß ich am heutigen Tage Sie, die Offiziere und Wachtmeister der Berliner Schutzpolizei, die Beamten und Angestellten des Polizeipräsidiums hier begrüßen kann; denn die Angehörigen der Schutzpolizei haben ein wesentliches Verdienst daran, daß selbst in den schwersten Stürmen und Wirrnissen der letzten Jahre die Staatsautorität gewahrt und die Grundlage unseres öffentlichen Lebens, die Reichs- und Staatsverfassung, geschützt und erhalten blieb. In klarem Verständnis für die Bedeutung der Staatsautorität, die sich aus Verfassung und Gesetz herleitet und die Sie verkörpern, in selbstloser Hingabe an ihre schwere Pflicht haben die Beamten der Schutzpolizei stets in musterhafter Weise ihre Aufgaben gelöst. Mit lebhafter Befriedigung nehme ich Ihre Versicherung, Herr Ministerpräsident, entgegen, daß die preußische Schutzpolizei auch in Zukunft, unerschütterlich auf dem Boden der Reichsverfassung stehend, die Staatsgewalt kraftvoll zur Geltung bringen wird. Hierfür der Schutzpolizei namens des Reiches am heutigen Tage Dank und Anerkennung aussprechen zu können, ist mir eine aufrichtige Genugtuung.

Mit gleichem Dank und gleicher Anerkennung wollen wir auch heute der leider zahlreichen Schutzpolizeibeamten gedenken, die in treuer Pflichterfüllung in Verteidigung von Gesetz und Verfassung in den letzten Jahren Leben und Gesundheit dahingegeben haben; auch sie opferten sich für Volk und Vaterland, und ihr Andenken soll uns heilig sein.

An Sie aber richte ich in dieser Stunde den Ruf: Tun Sie so wie bisher auch künftig Ihre schwere staatspolitische Pflicht. Seien Sie stets eine starke zuverlässige Schutzwehr der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Erfüllen Sie, wenn es sein muß, auch Ihre Pflicht gegen alle Angriffe auf den Staat oder sein auf fester Rechtsgrundlage aufgebautes Verfassungsleben. Deutschland darf nicht durch Phantasten und Fanatiker in Bürgerkrieg und Chaos gestoßen werden. Das, was mühsam nicht zuletzt mit Ihrer Hilfe aufgerichtet, muß erhalten und befestigt werden. Unsere innerstaatliche Gesundung und außenpolitische Geltung ist nur zu sichern durch Zusammenschluß aller staatsbewußten Bürger zu hingebender, zäher Arbeit am Staate. Nur so können wir unsere wirtschaftlichen und sozialen Nöte im Innern überwinden, unseren großen nationalen, kulturellen und sozialen Aufgaben gerecht werden und unseren Platz in der Welt wieder erringen.


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