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Sachsen und das Reich

Ansprache beim Besuch der Sächsichen Regierung. Dresden, 1.9.1919

Der Zweck meiner Reise ist, zu versuchen, die Zusammengehörigkeit und die gemeinsame Arbeit unserer einzelnen Länder mit der Reichsleitung zu fördern und mich weiter durch eigene Anschauung zu informieren und zu hören, welche Wünsche und Beschwerden manches von diesen Ländern auf der Seele hat. Ich darf sagen, nachdem ich am Abschluß meiner Reise stehe – ich komme aus Süddeutschland – daß sie notwendig und zweckmäßig war. Es sind manche Mißverständnisse aus dem Wege geräumt worden; ich habe manche Anregungen empfangen, die zweifellos geeignet sind, das engere Zusammenwirken von Reich und Einzelstaaten zu fördern. Überall aber ist mir der Gedanke entgegengeschlagen, daß alles geschlossen, freudig und treu zum Reich und zur Reichseinheit steht.

Ich freue mich, hier Gelegenheit zu haben, die Vertreter der sächsischen Verwaltung, die Vertreter der Beamten und Angestellten des Staates begrüßen zu können. Mein Herr Vorredner hat schon darauf hingewiesen, wie schwierig es für die Beamten, namentlich für die höheren Beamten, war, sich mit den neuen Verhältnissen abzufinden. Ich bin von jeher tolerant gewesen und achte jede ehrliche politische Überzeugung, und ich habe deshalb volles Verständnis für die schweren inneren Kämpfe, die mancher tapfere Mann in den letzten Monaten mit sich selbst durchgefochten hat, um mit uns gemeinsam am Wohle des Landes und des Reiches zu arbeiten. Ich weiß auch und habe das vielfach empfunden, daß es unmöglich gewesen wäre, das Schicksal des Landes in ruhige Bahnen zu lenken, wenigstens in so ruhige, wie wir sie bisher hinter uns haben, wenn nicht der Beamtenkörper geschlossen und treu hinter uns gestanden hätte. Dafür kann ich Ihnen allen im Namen des Reiches aufs herzlichste danken.

Ich weiß, daß die Verhältnisse in Sachsen besonders schwierig waren. Nach dem politischen Zusammenbruch folgte der wirtschaftliche Zusammenbruch, und ein solcher wird in einem Lande mit so starker Industrie besonders schwer verstanden. Wir haben deshalb auch immer mit besonderer Sorge nach Sachsen gesehen und haben mit Genugtuung gefunden, daß die Regierung die Lage richtig zu erfassen gewußt hat und daß sie auch, wenn es geboten war, entschlossen einzugreifen wußte. Dafür danke ich der Regierung, und ich benutze die Gelegenheit, auch namens der Reichsregierung aufrichtige Teilnahme an dem tragischen Geschick, das den ehemaligen Kriegsminister Neuring getroffen hat, auszusprechen.

Ich sagte bereits, daß Sachsen unter dem wirtschaftlichen Niederbruch besonders schwer zu leiden hatte. Die Reichsleitung hat volles Verständnis dafür und wir sind bestrebt, Sachsen in seinen besonders schwierigen Aufgaben kraftvoll zu unterstützen. Es fällt uns nicht ein, das Eigenleben der Einzelstaaten in eine Art spanischen Stiefels einzuschnüren. Wir haben auch nie verkannt, wie wichtig die Pflege der Kultur der einzelnen Länder für das Gesamtinteresse des Reiches ist. Die Wünsche, die Herr Minister Uhlig hier ausgesprochen hat, sollen vom Reiche beachtet und nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Was uns aber jetzt vor allem nottut, das ist Klarheit darüber, daß wir den schweren Wintermonaten, die uns bevorstehen, nur gewachsen sein können, wenn wir alle bis auf den Letzten noch einmal unser Bestes einsetzen für unser Land und für das Reich.

Was wirtschaftlich zu tun ist, um vor allem die Kohlenversorgung zu regeln, das soll geschehen.

Auf sozialem Gebiet werden die berechtigten Forderungen der Arbeiter erfüllt werden, soweit es nicht schon geschehen ist. Zu verlangen ist aber eins: daß jeder Arbeiter und Staatsbürger einsieht, daß Arbeit nun einmal die Grundlage unseres Wirtschaftslebens ist. Jeder, der an diesen Grundlagen rüttelt, oder den Wirtschaftsfrieden zu unterbinden versucht, hat mit dem schärfsten Widerstand der Reichsregierung und der Gesamtheit des Landes zu rechnen. Deshalb glaube ich auch, daß es uns gelingen wird, diese letzte große Schwierigkeit zu überstehen. Wir werden es nicht leicht haben in der Zukunft; wir werden vieles und manches entbehren müssen; wir werden alle hart und fleißig und mit Hingabe aller Kräfte arbeiten müssen, aber dann wird es uns auch gelingen, Deutschland einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Ich freue mich, daß Sie alle so aufrichtig und so offen Ihre Treue zum Reich bestätigt haben. Wenn wir so in allen Gauen Deutschlands, in allen Berufsschichten und Klassen des Deutschen Reiches fest zusammenhalten, dann bin ich sicher, Deutschland wird wieder einer glücklicheren und schöneren Zukunft entgegengehen.


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