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Die Kunst dem Volke!

Rede auf dem Festabend der »Großen Volksoper«. 27.5.1922

Wir sind hier zusammengekommen, weil ein besonderer Notstand unsere Aufmerksamkeit und Vorsorge verlangt. Jeder von uns weiß, daß in unserem Volke ein Bildungshunger erwacht ist, der Besitz ergreifen will von den großen geistigen und kulturellen Gütern, die unsere Dichter und Künstler seit Jahrhunderten aufgespeichert haben; ein Bildungshunger, der auch unsere Schätze an dramatischer und musikalischer Kunst sich zu eigen machen will. Die Eintrittspreise unserer Bühnen sind unerschwinglich geworden; gerade den werktätigen Schichten der Bevölkerung ist es verwehrt, sich den Genuß einer guten Oper oder eines guten Schauspiels zu verschaffen. Das ganze Volk aber an den Gütern und Gaben unserer Kultur teilnehmen zu lassen, ist eine der vornehmsten Aufgaben des demokratischen Staates. Ich darf daran erinnern, daß es die neue Verfassung des Deutschen Reiches ist, die ausdrücklich für die Pflege und den Schutz der Kunst Gewähr bieten will. Die Deutsche Volksoper hat sich die Aufgabe gestellt, dem Volke gute Opern und andere musikalische Darbietungen zu vermitteln. Diese Bestrebungen begrüße ich freudigst. Mit der heutigen Veranstaltung tritt die Volksoper werbend an die Öffentlichkeit. Ich wünsche dieser gemeinnützigen Gesellschaft den großen und schönen Erfolg, den sie verdient. Helfen Sie mit bei diesem guten Werke. Vieles ist uns genommen, unsere Kunst in Ehren zu halten und zu fördern, bleibt uns frei.


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