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Schiffahrt tut not!

Ansprache. Altona, 19.8.1922

Ich habe gern mit dem Besuche Hamburgs den der Schwesterstadt Altona verbunden, und wenn ich, Herr Oberpräsident, Ihnen gegenüber meiner Freude Ausdruck gebe, heute hier auf schleswig-holsteinischem Boden zu weilen, so darf ich dem hinzufügen, daß ich der Einladung, in einigen Wochen auch die schwergeprüfte Nordmark zu besuchen, mit Dank folgen werde. Sie, Herr Oberbürgermeister, haben auf die große Not hingewiesen, in die unser Volk und Land durch den Friedensvertrag und seine Durchführung versetzt sind. Die deutschen Seestädte haben schwere Opfer bringen müssen. Mit dem Verluste unserer Handelsflotte hat ein großer Teil der seemännischen Bevölkerung Arbeit und Existenz verloren. Eine um so größere Freude ist es mir, feststellen zu können, daß deutsche Schaffenskraft und Ausdauer dieser Schwierigkeiten Herr zu werden suchen, und daß die kernige Bevölkerung hier an der Elbemündung auch des alten Wortes »Schiffahrt tut not« eingedenk geblieben ist. Aufrichtige Anerkennung zolle ich alledem, was in diesen Jahren unermüdlicher Arbeit geleistet ist. Die Verwaltung unserer Großstädte erfordert ein ungeheures Maß von Schaffensfreude, Besonnenheit und Umsicht. Zu den bereits früher vorhandenen Aufgaben sind neue hinzugekommen. Fragen der Finanzgebung, der Eingemeindung, der sozialen Fürsorge, der Wohnungs- und Arbeitsbeschaffung, harren der Antwort. Die enge räumliche Verbindung Altonas und Hamburgs hat ein besonders schwieriges Problem geschaffen. Ich begrüße es, daß zur Zeit die beiden interessierten Länder im Wege von Verhandlungen sich bestreben, eine Lösung zu finden, und ich gebe dem aufrichtigen Wunsche Ausdruck, daß diese Verhandlungen von Erfolg gekrönt werden. Nur wechselseitig gebend und nehmend, können Reich, Länder und Städte sich gedeihlich entwickeln und in gemeinsamer Arbeit die Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes erreichen. Wie die deutschen Hafenstädte mit dem Falle des Reiches besonders schwer gelitten haben, so werden sie auch in demselben Maße zu neuer Blüte sich erheben, wie Deutschland sich kräftigt und wirtschaftlich erstarkt.


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