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Ebert als Brummer

Ansprache an den Freudenstadter Männerchor. 17.9.1920

Haben Sie vielen herzlichen Dank für die freundliche Überraschung, die Sie uns gebracht haben. Ihr Sängergruß hat mich und den Herrn Reichskanzler (Fehrenbach) um so mehr erfreut, als wir beide warme Freunde des Männergesanges sind. Ich war zwar nie aktiver Sänger. In der Schule hat man mir mal gesagt, ich sei ein Brummer, und man hat es dann nicht mehr versucht. Aber der Herr Reichskanzler ist aktiver Sänger, wie man sagt, sogar ein Meister des Gesanges. Beide sind wir uns aber einig in der Wertschätzung des deutschen Gesangs, gerade in der heutigen Zeit. Wir leben in einer sehr schweren Zeit und jeder einzelne von uns hat ein schweres Bündel harter Pflichten zu tragen. Da ist es begreiflich, wenn die Stimmung für den frohen Gesang nicht so vorhanden ist wie früher. Aber gerade bei unserer ernsten Wiederaufbauarbeit bildet der ernste Männergesang einen ganz bedeutenden Faktor. Die Liebe und die Freude zum Schaffen, zum Schaffen für das Volksganze, zum Schaffen für die Heimat, die Liebe zu unseren Wäldern, zu unseren Tälern, zu unseren Bergen, die Liebe zu dem Fleckchen Erde, wo unsere Wiege gestanden hat, die Liebe zu unserem großen Vaterland, das sind Dinge, die wir uns auch in unserer Not nicht nehmen lassen dürfen, zu denen wir stehen müssen und die gerade durch den Männergesang verherrlicht und kraftvoll vertreten werden können. Und wenn Sie in diesem Sinne den Männergesang pflegen, so arbeiten Sie mit an der Wiederaufrichtung unseres Volkes und unseres Vaterlandes. Seien Sie versichert, daß diese Überraschung, die Sie uns heute gebracht haben, mir bei all den Eindrücken und Erinnerungen, die ich von Freudenstadt mitnehme, die angenehmste und schönste sein wird. Ich habe in den kurzen Tagen, die ich mich hier aufhalten konnte, überall freundliche Aufnahme gefunden. Ich habe mich mit Freuden in Ihren Wäldern und in Ihren Tälern, in Ihrer freien Schwarzwaldluft ergangen und glaube Stärkung gefunden zu haben zu neuer Arbeit und zu neuem Schaffen. Und dabei wird mir immer eine angenehme und liebe Erinnerung an Freudenstadt, an seine Bevölkerung, an seine Wälder und an das, was uns heute abend von Ihnen dargebracht worden ist, bleiben.


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