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An die heimkehrenden Soldaten

22.11.1918

Kameraden! Die Deutsche Republik heißt Euch von Herzen willkommen in Eurer Heimat! Ihr seid für ein Vaterland ausgerückt, in dem Ihr nichts zu sagen hattet, in dem eine Handvoll von Gewalthabern Macht und Besitz unter sich verteilt hatten. Ihr durftet nur schweigen und kämpfen, während Hunderttausende neben Euch schweigen und sterben mußten.

Heute kommt Ihr ins eigene Land zurück, in dem künftighin niemand etwas zu sagen und zu bestimmen hat, als das Volk selbst, in das Ihr Euch nun wieder eingliedert. Die Revolution hat den Bann gebrochen: Ihr und wir, Deutschland ist frei. Unsere sozialistische Republik soll als freieste in den Bund der Völker treten. Ihr findet aber nicht nur alle politischen Rechte, die Euch bisher vorenthalten waren, die Heimat soll auch wirtschaftlich Euer Besitz und Erbe werden, in dem Euch nach unserem Willen keiner mehr ausbeuten und knechten soll.

Die Reichsregierung, die das Vertrauen Eurer Kameraden und der Arbeiter berufen hat und trägt, will Euch Arbeit schaffen, Schutz bei der Arbeit und erhöhtes Einkommen aus der Arbeit. Achtstundentag, Erwerbslosenunterstützung, Arbeitsbeschaffung, Ausdehnung der Krankenversicherung, Steuerung der Wohnungsnot, Sozialisierung der dazu reifen Betriebe: alles ist im Werden, ist zum Teil schon Gesetz!

Kommt und seid willkommen als die Männer, welche die Träger der neuen Republik und ihrer Zukunft sein sollen. – Gewiß, Ihr findet bei uns Knappheit an Nahrungsmitteln, an allen wirtschaftlichen Gütern, im Lande herrschen Not und Entbehrung. Helfen kann uns nur gemeinsame Arbeit, solidarisches Handeln. – Nur ein Deutschland, das eine gesicherte, in den Arbeitern und Soldaten verankerte Regierung besitzt, kann von unseren bisherigen Gegnern das erreichen, was Ihr seit vier Jahren erkämpft und ersehnt habt: – den Frieden!

Ebert. Haase. Scheidemann. Dittmann. Landsberg. Barth.


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