Emanuel Geibel
Gedichte
Emanuel Geibel

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Benedikt XIII.

1869.

              Auf der Burg zu Peniscola, die vom Fels zur Öde blickt,
Am Altar im Kreis der Mönche steht der greise Benedikt.

Einst zum Pontifex erkoren, nun entsetzt durch Kaiserwort,
Barg er, unversöhnlich grollend, wie ein wunder Aar sich dort.

»Herr, das Amt der ew'gen Schlüssel, das du deinem Knechte gabst,
Wer vermag's mir anzutasten! Laß sie dräun! Ich bin der Papst.

Über Fürstenmacht und Völker hast du mir Gewalt verliehn;
Wagt zu trotzen mir der Erdkreis, dein Gericht herab auf ihn!«

Und empor das Auge wendend, das des Himmels Blitze sucht,
Spricht er feierlich den Bannfluch, der die ganze Welt verflucht.

Unter Grabgeläut die Kerzen löscht er aus am Hochaltar:
»Also seid im Buch des Lebens ausgetan für immerdar!«

Dumpf erschallt der Chor der Mönche: Tag des Zornes brich heran! –
Doch die Sonne wallt wie gestern ruhig lächelnd ihre Bahn.

 


 


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