Emanuel Geibel
Gedichte
Emanuel Geibel

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XXIV.

    Du fragst mich, du mein blondes Lieb,
Warum so stumm mein Mund?
Weil mir die Liebe sitzet,
        Heimlich sitzet
    Im Herzensgrund.

Kann denn die Flamme singen,
Wenn sie zum Himmel will?
Sie schlägt die Flügel hoch und rot,
        So hoch und rot,
    Und doch so still.

Die Ros' auch kann nicht sprechen,
Wenn sie zur Blüt' erwacht;
Sie glüht und duftet stumm hindurch,
        Stumm hindurch
    Die Sommernacht.

So ist auch meine Minne,
Seit du dich mir geneigt;
Sie glüht und blüht im Sinne,
        Tief im Sinne,
    Aber sie schweigt.

 


 


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