Emanuel Geibel
Gedichte
Emanuel Geibel

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XIV.

    Aus zerrißnen Wolkenmassen
Steigt ins Blau der goldne Mond
Und beglänzt den Bergesgipfel,
Wo die Burgruine thront.

Am bemoosten Turme steh' ich,
Himmelwärts das Angesicht,
Und ich horche, und ich lausche,
Was der Mond herniederspricht.

Von viel tausend Mädchenaugen
Ist's ein wunderbares Lied,
Von viel tausend roten Küssen,
Die er in den Talen sieht.

Und schon will er mir erzählen
Von dem fernen blonden Kind –
Ach, da kommen dunkle Wolken
Und das Lied verweht im Wind.

 


 


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