Emanuel Geibel
Gedichte
Emanuel Geibel

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Einkehr.

        Der Staub ist heiß, die Sonne glüht,
Vom langen Wandern bin ich müd';
    Sieh da, im Schatten der Linden
    Muß ich ein Wirtshaus finden!

Gott grüß dich, schöne Kellnerin!
Du siehst wohl, daß ich müde bin;
    O reiche dem durstigen Zecher
    Zum Rande voll den Becher!

Dein Wohl, dein Wohl, vielholdes Kind!
Ei, wie dir so rosig die Wangen sind!
    Und deine Augen wie Kohlen,
    Die funkeln schelmisch verstohlen.

Dein Wein ist süß, dein Wein ist klar;
Doch schau' ich dir auf die Lippen gar,
    Da dünkt von deinem Munde
    Ein Kuß mir noch süßer zur Stunde.

Du sagst nicht ja, du sagst nicht nein!
Da muß ich denn schon herzhaft sein;
    Da hast ihn – gib mir ihn wieder! –
    Was schlägst du die Augen nieder?

Ein braver Bursch, 'ne schöne Maid,
Wo die sich treffen allezeit,
    Da soll ein Küßchen in Ehren
    Ihnen kein Narr verwehren.

 


 


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