Johann Peter Eckermann
Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
Johann Peter Eckermann

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Mittwoch, den 12. Mai 1830*

Vor Goethes Fenster stand ein kleiner bronzener Moses, eine Nachbildung des berühmten Originals von Michel Angelo. Die Arme erschienen mir im Verhältnis zum übrigen Körper zu lang und zu stark, welche meine Meinung ich gegen Goethe offen aussprach.

»Aber die beiden schweren Tafeln mit den zehn Geboten!« rief er lebhaft; »glaubt Ihr denn, daß es eine Kleinigkeit war, die zu tragen? Und glaubt Ihr denn ferner, daß Moses, der eine Armee Juden zu kommandieren und zu bändigen hatte, sich mit ganz ordinären Armen hätte begnügen können?«

Goethe lachte, indem er dieses sagte, so daß ich nicht erfuhr, ob ich wirklich unrecht hatte, oder ob er sich mit der Verteidigung seines Künstlers nur einen Spaß machte.


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