Johann Peter Eckermann
Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
Johann Peter Eckermann

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Sonntag, den 2. [Sonnabend, den 1.] März 1823*

Diesen Abend bei Goethe, den ich in mehreren Tagen nicht gesehen. Er saß in seinem Lehnstuhl und hatte seine Schwiegertochter und Riemer bei sich. Er war auffallend besser. Seine Stimme hatte wieder ihren natürlichen Klang, sein Atemholen war frei, seine Hand nicht mehr geschwollen, sein Aussehen wieder wie in gesundem Zustand, und seine Unterhaltung leicht. Er stand auf und ging ohne Umstände in sein Schlafzimmer und wieder zurück. Man trank den Tee bei ihm, und da es heute wieder das erste Mal war, so machte ich Frau von Goethe scherzhaft Vorwürfe, daß sie vergessen habe, einen Blumenstrauß auf das Teebrett zu stellen. Frau von Goethe nahm sogleich ein farbiges Band von ihrem Hut und band es an die Teemaschine. Dieser Scherz schien Goethen viel Vergnügen zu machen.

Wir betrachteten darauf eine Sammlung nachgemachter Edelsteine, die der Großherzog hatte von Paris kommen lassen.


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