Johann Peter Eckermann
Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
Johann Peter Eckermann

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Donnerstag, den 24. Februar 1831

Ich lese Goethes Aufsatz über Zahn in den ›Wiener Jahrbüchern‹, den ich bewundere, indem ich die Prämissen bedenke, die es voraussetzte, um ihn zu schreiben.

Bei Tisch erzählet mir Goethe, daß Soret bei ihm gewesen, und daß sie in der Übersetzung der ›Metamorphose‹ einen hübschen Fortschritt gemacht.

»Das Schwierige bei der Natur«, sagte Goethe, »ist: das Gesetz auch da zu sehen, wo es sich uns verbirgt, und sich nicht durch Erscheinungen irre machen zu lassen, die unsern Sinnen widersprechen. Denn es widerspricht in der Natur manches den Sinnen und ist doch wahr. Daß die Sonne still stehe, daß sie nicht auf- und untergehe, sondern daß die Erde sich täglich in undenkbarer Geschwindigkeit herumwälze, widerspricht den Sinnen, so stark wie etwas, aber doch zweifelt kein Unterrichteter, daß es so sei. Und so kommen auch widersprechende Erscheinungen im Pflanzenreiche vor, wobei man sehr auf seiner Hut sein muß, sich dadurch nicht auf falsche Wege leiten zu lassen.«


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