Johann Peter Eckermann
Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
Johann Peter Eckermann

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Montag, den 2. Mai 1831

Goethe erfreute mich mit der Nachricht, daß es ihm in diesen Tagen gelungen, den bisher fehlenden Anfang des fünften Aktes von ›Faust‹ so gut wie fertig zu machen.

»Die Intention auch dieser Szenen«, sagte er, »ist über dreißig Jahre alt; sie war von solcher Bedeutung, daß ich daran das Interesse nicht verloren, allein so schwer auszuführen, daß ich mich davor fürchtete. Ich bin nun durch manche Künste wieder in Zug gekommen, und wenn das Glück gut ist, so schreibe ich jetzt den vierten Akt hintereinander weg.«

Bei Tisch sprach Goethe mit mir über Börne. »Es ist ein Talent,« sagte er, »dem der Parteihaß als Alliance dient, und das ohne ihn keine Wirkung getan haben würde. Man findet häufige Proben in der Literatur, wo der Haß das Genie ersetzet, und wo geringe Talente bedeutend erscheinen, indem sie als Organ einer Partei auftreten. So auch findet man im Leben eine Masse von Personen, die nicht Charakter genug haben, um alleine zu stehen; diese werfen sich gleichfalls an eine Partei, wodurch sie sich gestärkt fühlen und nun eine Figur machen.

Béranger dagegen ist ein Talent, das sich selber genug ist. Er hat daher auch nie einer Partei gedient. Er empfindet zu viele Satisfaktion in seinem Innern, als daß ihm die Welt etwas geben oder nehmen könnte.«


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