Johann Peter Eckermann
Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
Johann Peter Eckermann

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Donnerstag, den 31. März 1831

Zu Tafel beim Prinzen mit Soret und Meyer. Wir redeten über literarische Dinge, und Meyer erzählte uns seine erste Bekanntschaft mit Schiller.

»Ich ging«, sagte er, »mit Goethe in dem sogenannten Paradies bei Jena spazieren, wo Schiller uns begegnete und wo wir zuerst miteinander redeten. Er hatte seinen ›Don Carlos‹ noch nicht beendigt; er war eben aus Schwaben zurückgekehrt und schien sehr krank und an den Nerven leidend. Sein Gesicht glich dem Bilde des Gekreuzigten. Goethe dachte, er würde keine vierzehn Tage leben; allein als er zu größerem Behagen kam, erholte er sich wieder und schrieb dann erst alle seine bedeutenden Sachen.«

Meyer erzählte sodann einige Züge von Jean Paul und Schlegel, die er beide in einem Wirtshause zu Heidelberg getroffen, sowie einiges aus seinem Aufenthalte in Italien, heitere Sachen, die uns sehr behagten.

In Meyers Nähe wird es mir immer wohl, welches daher kommen mag, daß er ein in sich abgeschlossenes zufriedenes Wesen ist, das von der Umgebung wenig Notiz nimmt und dagegen sein eigenes behagliches Innere in schicklichen Pausen hervorkehrt. Dabei ist er in allem fundiert, besitzt den höchsten Schatz von Kenntnissen und ein Gedächtnis, dem die entferntesten Dinge gegenwärtig sind, als wären sie gestern geschehen. Er hat ein Übergewicht von Verstand, den man fürchten müßte, wenn er nicht auf der edelsten Kultur ruhte; aber so ist seine stille Gegenwart immer angenehm, immer belehrend.


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