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Von Gesundheiten und Krankheiten.

Im Januario werden hitzige Krankheiten entstehen, und die Schwindsüchtigen werden ihre Noth haben. Der Februar wird manchem das Leben kosten. Der März drohet mit Kopf- und Zahnschmerzen. Der April soll gar gefährlich seyn. Im May kommen hitzige Fieber und Flüsse. Der Junius drohet mit Herzbeschwerungen und Ohnmachten. Im Julio fällt kein schädlicher Aspect ein. Im August wird man verschiedene Arten von Krankheiten bemerken. Im September sind mehr gute als böse Aspecten. Der October deutet auf Hauptweh, Schlagflüsse, Herzbeschwerung und Krätze. Der November zeigt auf Magenbeschwerden und Ohnmachten. Im December werden sich hitzige Krankheiten und Steckflüsse ereignen.

Ohne Zweifel werden alle die genannten Uebel in dem Jahre verspürt werden; aber gewiß nicht in der hier vorhergesagten Ordnung. Man trifft zu allen Zeiten alle Krankheiten unter den Menschen, ohne daß man sagen kann, diese Krankheiten gehören für diesen, und jene für jenen Monat. Die Schwindsüchtigen haben nicht nur im Januar, sondern zu allen Zeiten ihre Noth; und nicht nur der Februar kostet manchem das Leben, sondern die Menschen sterben durchs ganze Jahr. Wer zu Kopf- und Zahnschmerzen, zu Ohnmachten x. geneigt ist, der wird nicht nur in den hier damit begabten Monaten, sondern zu ungleichen Zeiten davon befallen. Freilich werden immer einige seyn, die ihre Krankheiten in den Monaten finden, und wenn man denn sagen wollte, der Kalender hat doch wahr geredt – so kann alles was darinn steht, zu verschiedenen Zeiten, und an gewissen Personen wahr werden; aber wie viele sind dagegen, die von eben der Krankheit, zu ganz andern Zeiten befallen werden? Weg also mit so ungegründeten, ungereimten und lächerlichen Meinungen.

Der Kalender ist ganz mit Zeichen angefüllt, die gut Aderlassen, sehr gut Aderlassen, zu baden und zu schröpfen, gut säen und pflanzen, gut Kinder entwöhnen. (Zusammenkunft ist mittelmässig. Gesechster Schein ist gut. Gevierter Schein ist böse. Gedritter Schein ist gut. Gegenschein ist böse. Glücklicher Tag ist roth). Gut Holzfällen. Gut Purgiren. Gut Haarabschneiden – bedeuten. Einfältige unterlassen nie, in den Kalender zu sehen, bevor sie etwas vornehmen. Sie baden und schröpfen, säen und pflanzen, purgiren zu der Zeit, welche der Kalender für die beste hält; sie entwöhnen die Kinder, an einem glücklichen Tag, schlagen kein Holz, und beschneiden sich ohne Kalenderrath ihr Haar nicht. Allein wenn das Kind lange genug gesäuget hat, so wird es sich zu allen Zeiten (freilich auch an einem im Kalender bezeichneten Tage) entwöhnen lassen. Die Arzneien werden ihre gewöhnliche Wirkungen haben, das Holz wird gleich gut wärmen, und das verschnittne Haar wieder wachsen, wenn der Kalender auch nein dazu sagt. Wenn die Krankheit ein Purgiermittel fodert; so muß man es zu allen Zeiten und Stunden nehmen, und die Meinung ist thörigt, wenn man glaubt, die Wirkung der Mittel hange von dem Zeichen ab, in welchem sich die Sonne befindet, oder von den Vierteln des Monds. Dieses Vorurtheil aber ist so tief eingewurzelt, daß man Leute hat sterben sehen, die auf das günstige Himmelszeichen oder Mondsviertel warteten, einem Mittel Kräfte zu geben, welches vier oder fünf Tage früher genommen, ihnen das Leben würde gerettet haben. So entscheidet ein unwissender Kalendermacher über das Leben der Menschen; und diejenigen Herrschaften, die dergleichen unsinnige und alberne Kalender dulden, privilegiren einen solchen Kalenderfabrikanten zu einem gesezlichen Mörder, oder geben zum mindesten Anlaß, daß manche ihrer leichglaubigen und schwachsinnigen Unterthanen in tödliche Krankheiten verfallen oder sieche Körper umherschleppen. Ueberhaupt genommen, so ist der Kalenderglaube einer der allerschädlichsten Zweige des falschen Wahns, und sollte man mit gesammter Hand in der ganzen Christenheit daran arbeiten gute und zweckgemäße Kalender allgemein einzuführen, und die bisher fast in allen Staaten vorhandene schlechte Gattungen dieser Volksbücher möglichst zu verdrängen suchen. Wenn der gemeine Mann nur sonst keine andere als gute zweckmässige Kalender bekommen kann, so verliehrt er allmählig den Glauben an die Unsinnigkeiten, und die Nachkommenschaft erhält gereinigte Begriffe, wird auch endlich ganz frey von dem alten schädlichen und falschen Kalenderwahn.

Man fürchtet sich, Arzeneien zu nehmen, so lange die Hundstage währen. Wenn diese Furcht sich auf die grosse Hitze gründete, so verdiente sie Nachsicht: Allein man glaubt, der Hundsstern, der viele hundert tausend Millionen Meilen von uns entfernt ist, und den man für unglücklich hält, regiere in diesen Tagen, habe während denselben auf den menschlichen Körper besondern Einfluß. Jeder weiß, um wie viel Tage die sogenannten Hundstage von der Erscheinung des Stern, welchen man den Hundsstern genennt hat, verschieden sind, und wie er daher um so weniger auf etwas nachtheiligen Einfluß haben kann, wenn sonst auch, wie es doch wirklich nicht ist, seine Wirkungen schädlich wären.


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