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Prognogsticon vom Christtage.

Fällt der Christtag auf den Sonntag; so wird ein warmer Winter, der Frühling warm und naß, der Sommer heiß, trocken und schön, der Herbst feucht und winterisch. Korn und Wein geraten wohl, es giebt viel Honig, die Schaafe aber seyn dürftig, Saat und Gartenfrüchte gerathen wohl.

Fällt er Montags; so ist der Winter weder zu kalt noch zu warm, der Frühling gut, der Sommer windig, es giebt viel Wein, aber wenig Honig, denn die Bienen sterben gern.

Fällt er Dienstag; so wird ein kalter Winter mit viel Schnee, der Frühling gut und windig, ein nasser Sommer, und trockner Herbst, Wein und Korn mittelmässig, und sterben die Schweine gern.

Fällt er auf den Mittwoch; so wird der Winter hart, im Frühling viel Wetter: Sommer und Herbst werden gut; Heu, Wein Korn genug, aber sehr wenig Aepfel, auch wenig Zwiebeln.

Fällt er auf den Donnerstag; so hat es im Winter sehr viel Regen, der Frühling ist windig, ein guter Sommer, ein nasser Herbst, Korn und Früchte genug, Wein ziemlich, wenig Honig.

Fällt er auf den Freytag; so wird ein langer und harter Winter, aber ein guter Frühling, der Sommer unstät, Wein, Korn und Heu genug, aber Schaafe und Bienen sterben gern, auch wird viel Obst.

Fälllt er auf den Sonnabend; so wird der Winter nebligt mit grosser Kälte und Schnee, der Frühling windig, der Sommer gut, der Herbst trocken, giebt aber wenig Korn und andre Früchte, aber gute Weide, die Bienen sterben gern.

Grosser Gott! der Tag, an welchem wir das Andenken der Menschwerdung des Erlösers feiern, soll, wenn er auf den Montag fällt, anzeigen, daß es wenig Honig geben, und die Bienen gern sterben; wenn er auf den Diensttag fällt, sollen die Schweine gern sterben. Es soll sehr wenig Aepf lund Zwiebeln geben, wenn er auf den Mittwoch fällt; er soll Schaafsterben anzeigen, wenn er auf den Freitag fällt. Wie wenig können die den Namen der Christen verdienen, die solchen Unsinn verbreiten, oder die an demselben hangen? Welche die Absicht der Menschwerdung des Erlösers so sehr verkennen, daß sie die Tage, an welchen sie sich dieser göttlichen That feierlich erinnern sollen, zu abergläubischen Anzeigen misbrauchen. Christus hat seinen Geburtstag mit keiner prophetischen Kraft begabt, und man kann daher in den darauf folgenden Tagen um so weniger etwas außerordentliches suchen. Und da man den eigentlichen Tag der Geburt Christi nicht einmal mit völliger Gewißheit bestimmen kann; so sieht man wohl, daß alle daher genommene Prophezeihungen umgegründet sind.


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