Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Wetterableiter.

»Ein solcher besteht aus einer eisernen, mit einer kupfernen Spitze versehenen Stange, die mitten über dem Dach befestigt ist, an derselben geht ein Drath herunter bis in die Erde. Kommt nun der Blitz in die Nähe, so schlägt er anstatt in das Haus, auf die Kupferspitze, fährt daran herunter bis in die Erde, und das Gebäude bleibt unbeschädigt. Da hat man denn aber wieder gesagt: es sey unrecht, sich durch dieses Mittel den Strafgerichten Gottes zu widersetzen. Dieser Einwurf bringt denen, die ihn machen, im Grunde Ehre, weil daraus ihr zuversichtliches Vertrauen auf Gottes Fügung hervorleuchtet; Er ist aber von mehreren Seiten betrachtet, nicht genugsam geläutert, und kann gar leicht in ein blindes Vorurtheil ausarten, wenn man hartnäckig dabei stehen bleibt. Der uns vom Schöpfer tief eingepflanzte Trieb für unsere Erhaltung, rechtfertigt schon den Gebrauch dieses Mittels ganz, und sagt es uns, daß wir keine Eingriffe in die Rechte Gottes wagen, wenn wir uns dem Tod zu entziehen trachten; denn auch der Wurm, den wir mit Füßen zertreten, krümt sich gegen die Bitterkeit desselben. Sind nicht Wasserfluthen, und alle andre Feuersbrünste, eben so wohl Strafgerichte Gottes, als die durch den Blitz verursachten? Warum setzt man den Wasserfluthen Dämme, und gebraucht bei einem entstandenen Feuer alle die Vorkehrungen, die man schon lange dazu machte; wenn man glaubt, man widersetzte sich dadurch den göttlichen Gerichten? Und muß es nicht eben so unsträflich seyn, die vortheilhaften Mittel gegen die Schädlichkeit des Blitzes zu gebrauchen, als den Wirkungen desselben zu wehren? denn warum steuert man der Feuersbrunst, die der Blitz erregt hat, wenn man glaubt, es sey Frevel, den Blitz selbst abzuhalten? Ist denn der Blitz das Strafgericht, das über uns ergehen soll, oder ist es der dadurch verursachte Brand? Auch Sturmwinde, ohnerachtet sie mannigfaltige Vortheile für die Welt und die Menschen haben, sind zuweilen Mittel in der Hand Gottes, dadurch zu strafen: Warum verwahrt man das, was von ihnen beschädigt werden kann, gegen sie, wenn man glaubt, man widersetze sich dadurch Gott?« – Der Einsiedler beschloß hiemit, zeigte dann den Reisenden den Weg, um bald aus dem Wald zu kommen, und wünschte ihnen gutes. Hinz und Flinz waren kaum aus demselben, da nahm Hinz seine Schreibtafel, und setzte alles auf, was der gelehrte Einsiedler über das Gewitter gesagt hatte, da es jetzt noch im frischen Andenken war: Auf Verlangen ist es hier zur Belehrung derer eingerückt, die von den Wirkungen des Gewitters, von dem was man dabei zu thun habe x. abergläubische Meinungen haben. Sie waren kaum fertig, als sie im nahen Gebüsch das Posthorn hörten, und kurz darauf den Wagen selbst erblickten. Der Postillon hielt ungeheissen, sie stiegen auf, und fanden da Gierig und Hager, zwei Kaufleute, List einen Advocat und einen Priester Vollmuth. Sie hatten unter abwechselndem Gespräch schon einen ziemlichen Weg zurückgelegt, als sie, um frische Luft zu schöpfen, aus dem bedeckten Wagen stiegen. Auf einmal rauschte eine feurige Gestalt über sie hin; es war der


 << zurück weiter >>