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Aberglaube von Dieben, Gehängten x.

An dem Galgen von H. hängt seit ein paar Monaten ein Dieb, der bald keinen Fetzen mehr an sich hat, und ganz verstümmelt ist. Er war der ruchloseste Bösewicht; doch hat ihn der Aberglaube im Tode brauchbar gemacht, daß er reißend weggeht. Der Fuhrkneckt zwickt ihm die Theile der Finger ab, woran die Nägel sitzen, und womit die Diebsgrife geschehen sind, und läßt sie in den Handgrif der Peitsche einflechten, woraus, wie er glaubt, die gewisse Wirkung erfolgt, daß wenn die Pferde mit dieser Peitsche getroffen werden, sie den Wagen auch in dem tiefsten Morast nicht stecken lassen, sondern die letzten Kräfte anwenden, ihn heraus zu heben. Aber die Pferde fürchten ohnhin die Peitsche, und wenn sie jetzt nachdrücklicher auf ihren Rücken fällt, je zuversichtlicher ein Erfolg davon erwartet wird; so ist ja das dem eingebrachten Stück vom Diebe nicht zuzuschreiben. Der Weinschenk sucht einen Diebsdaumen zu bekommen, um dadurch glücklich zu seyn. Gewinnsüchtige Spieler tragen ihn in eben der Absicht mit sich herum, und Wirthsleute glauben, daß dadurch viel Gäste herbeigezogen werden. Warum aber muß solch ein Daum gerade von einem Dieb seyn? Weil man ihn am leichtesten bekommen kann! Der Strick, womit jener Frevler sein Leben verlohr, ist schon lange um nicht geringen Preis an abergläubische Weibsleute verkauft, welche ihn dem Vieh, wenn es Nachtschatten fraß oder die Würmer x. hat, oder gar behext ist, mit, wie sie glauben, großen Vortheil umhängen. Der Verkäufer sagt es selbst, daß er schon einige Klafter Strick verkauft habe, und es erfolgt davon gleiche Wirkung. Wer den Nagel bekommen kann, der bei dem Hängen gebraucht wurde, der glaubt dadurch gegen alle Hexereien und Teufeleien gesichert zu seyn. Bald wird der Dieb ganz entbößt da hängen, denn man reißt ihm einen Fetzen nach dem andern von den Kleidern ab, und streicht damit das Vieh über den Rücken, wovon es wunderschön werden soll.

Vielleicht lag in dem Diebe selbst die Ursach davon nicht, daß er gehängt wurde, denn der Aberglaube denkt, wenn ein anderer das Brod, welches man auf dem Tisch habe liegen lassen, über den Galgen werfe; so könne man demselben nicht entgehen. Es würde der höchste Grad von Bosheit seyn, wenn jemand in der Absicht das thun wollte, um einen zum Galgen reif zu machen; aber wer gehängt wird, der muß es verdient haben, und man darf darum das übrig gebliebene Brod nicht zu sich stecken, um nicht geschickt dazu zu werden. Die Mutter muß, sagt ein anderer, den kleinen Kindern die Nägel zum erstenmal abbeißen, damit sie nicht stehlen lernen. Wer seine Kinder gut erzieht, der darf ihnen immerhin auch zum erstenmal die Nägel abschneiden, ohne zu fürchten, daß er sie dadurch diebisch gesinnt machen möchte. Wenn man des Abends zu Bett geht, und das Licht auslöscht, soll man es nicht umgekehrt in den Leuchter einstecken, sonst kann Niemand vom Schlaf erwachen, wenn des Nachts Diebe ins Haus kommen. Aber nein, diese Art Lichter auszulöschen, ist darum schädlich weil man sie im Fall der Noth nur schwer wieder anzünden kann. Wenn ein Missethäter geköpft wird; so haben schon Personen, die mit der fallenden Sucht oder dem bösen Wesen behaftet waren, das Blut getrunken, um von der Krankheit befreit zu werden. Andere haben mit seiner eiskalten Hand, sich den Kropf und andere Auswüchse bestrichen, um sie dadurch wegzubringen. Wenn so etwas geholfen hat; so war gewiß nicht das gebrauchte Mittel die Ursach, sondern die dabei gehabte heftige Gemüthsbewegung und gespannte Einbildungskraft.

Man sieht an der Erde bisweilen ein Feuer, das einen Platz von 2, 3 und 4 Schuhen einnimmt; der Abergläubische nennt es


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