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Von Wundhölzern.

Diese, und das Verbinden der wesentlichen Stücke, mit welchen ein Mensch verletzt worden, müssen doch auch hier berührt werden. Schon die Art und Weise, mit welcher die Hölzer geschnitten werden, ist lächerlich und abergläubig. Es muß z.B. ein gewisser Tag, als Peter Pauli, Johannis u. a. dgl. seyn; das Holz muß auf einen Hieb oder Schnitt gefällt werden; und der Mann so es abhaut oder schneidet, muß 24 Stunden vorher mit keinem Weibe zu thun gehabt haben. Vielleicht sind noch mehrere Alfanzereyen nöthig, damit das Holz die erforderlichen Kräfte erhält.

Dergleichen Wundhölzer sollen das Nasenbluten stillen, wenn man stark und anhaltend daran riecht. Natürlich, wenn das Nasenbluten nicht überaus heftig ist, so stillt es das anhaltende und starke Riechen an einen Stein und jedes andere Holz eben so gut, als das Riechen an das berühmte Wundholz. Ferner soll dies Wunderholz auch kleine Schnitt- und Hiebwunden heilen, wenn sie damit bestrichen und zugebunden werden. Wenn man dergleichen Wunden gut verbindet und dabey reinlich hält, so heilen sie auch ohne das Bestreichen mit dem Wundholze. Wenn dieses Holz Quetschungen heilen soll, so müssen noch drey Kreuze hinein geschnitten werden, (wahrscheinlich auch mit den oben angezeigten Ceremonien und Narrenspossen) mit diesen Kreuzen drückt man die Quetschung übers Kreuz, und weg wie nichts ist euch der Schade – wenn er nicht groß ist, und die gütige Mutter Natur selbsten hilft. Der gleichen Kraft soll auch eine leinene blaue Kuchenschürze oder Fürtuch haben; imgleichen eine Kreide, womit man gewisse Charaktere an eine Thüre oder Wand geschrieben hat. O Narrheit! o Narrheit! –

Die Wundholzschneider sind aber doch billige Leute, sie verlangen eben keine große und mächtige Kuren von ihrem Wundholze. Es giebt aber noch eine andere Gattung Kraft- und Wunderärzte, diese verbinden bloß mit Menschenkoth diejenigen Instrumente, womit man sich verletzt hat, es seye nun ein Nagel, Degen, Messer, Beil u. dgl., und behaupten, die Wunde, sey sie auch noch so groß, heile davon ohne den geringsten Verband ordentlich und geschwind zu. Andere tauchen in die blutende Wunde einen Lappen oder Lumpen, und bestreichen dessen Enden mit Vitriol, und behaupten das nämliche. Diese Leute sind warlich gar zu unverschämt. Ich wünsche herzlich, daß es Gott verhüten wolle, daß solchen leichtfertigen Pfuschern keine gefährliche Verletzung unter die Hände komme. Bey geringen Schäden hilft gemeiniglich die gute Mutter Natur diesen Tropfen aus der Schlinge, die sie sich selbsten mit ihrer unberufenen Kunst legen, und darauf sündigen die Wichte.


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