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Vorrede des Verfassers.

Der Aberglaube äußert sich durch ungegründete und verkehrte Meynungen von Dingen, und durch die daraus entstehenden Handlungen; daher muß der wahre Grund von den Dingen gezeigt, das Thörichte und Lächerliche in den abergläubischen Handlungen dargestellt, und zur Erreichung dieser Absichten müssen sichere Mittel angegeben werden. Bey den Mitteln, die der Abergläubische wählt, leidet die gute Sache der Religion, er selbst, und der Nächste. Sie entehren die Vernunft, wirken größere Unwissenheit, und thun der Lasterhaftigkeit oft den gewünschten Vorschub. Anstatt Ursache und Wirkung zu vergleichen, die Zukunft ruhig zu erwarten, das, was andere sagen und thun, zu prüfen, und die Vernunft so zu gebrauchen, wie man sollte und könnte – schreibt der Abergläubische den Dingen Ursachen und Wirkungen zu, die sie nicht haben, fürchtet und hofft ohne Grund, baut auf die Zeugnisse anderer allzu viel, und denkt zu wenig. Hat man aber bisher dem Aberglauben eifrig oder zweckmäßig genug entgegen gearbeitet? Oder hatte der, dem es am Wollen nicht fehlte, passende Hilfsmittel; und wird dieses Buch diesem Mangel abhelfen? Der Verfasser hat es so einzurichten gesucht, daß Aeltern und Volkslehrer es als Lehrbuch gebrauchen können, die Kinder darnach zu lehren, damit das künftige Geschlecht frey von demselben werde. Er hat, um diese Absichten zu erreichen, in Beyspielen gelehrt, die unter dem Volke herumgehenden abergläubischen Geschichten, das abergläubische Verfahren erzählt, und die Beschwörungsformeln angeführt, dadurch jeden sicher zu stellen. Denn was könnten alle Beweise helfen,| wenn der Schwache durch die außerordentlichen Worte des Betriegers, und seiner Gaukeleyen übertäubt und bethört würde? Er hat nirgends getobt oder gepoltert, und glaubt, daß die, welche dieß Buch als einen Leitfaden zum Lehren gebrauchen wollen, es auch nicht thun, sondern in ruhigem Tone lehren und überzeugen, aber hie und da manches, das für Kinder nicht gehören möchte, weglassen werden; wohin z.B. Rosenfelds Geschichte gehörig. Durch abwechselnden Ton sorgte er für das Vergnügen derer, die es gebrauchen werden; und dadurch, dass er das vorhandene Gute mit sorgfältiger Auswahl gebrauchte, für Vollständigkeit.

Aeltern! Lehrer! Entfernt, wenn ihr selbst davon solltest angesteckt seyn, abergläubische Meynungen! Aber sucht auch eure Kinder vor denselben zu bewahren, oder befreyet sie davon; denn das ist eure große Pflicht. Wahrlich auf Gottes weiter Welt ist keiner unglücklicher, als ein Abergläubischer. Der Weise richtet sich bey traurigen Ereignissen durch die Hoffnung des Bessern auf; der Abergläubische hingegen fürchtet immer das Schlimmste, oder hegt ungegründete Hoffnungen; verursacht sich immer neue Unruhe und Angst; sieht überall Schreckbilder; vergißt die Vorsehung, und traut dem Ohngefähr. Der Aberglaube hat überall sehr unselige Folgen, und verbreitet Unglück und Elend: er verschließt den Menschen zu ewiger Unthätigkeit, und zündet, seiner falschen Meynung nach, Gott zu Ehren Scheiterhaufen an.

Wohl muß solch ein Ungeheuer verfolgt und getödtet werden.


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