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feurigen Mann oder Feuermännchen

gesehen, die dem Wagen immer näher kamen, stieß seinen Freund an, und ächzte: siehtst du sie? »Was sehen sie denn,« fuhr Gierig auf, und grif nach dem Pistol: er dachte es näherten sich Räuber. »Ach Gespenster,« sagte dieser, »und sie kommen immer näher.« »Laßt sie nur kommen,« knurrete der Postillon, »ich kenne sie und will sie schon wegbringen.« Bald waren sie da, bald waren sie dort; bald fuhren sie zusammen, bald über Berg und Thal. Einer aus der Gesellschaft erinnerte sich, daß ein Hochgericht in der Nähe sey, wo sich die Geister tummelten. Hätte er doch das nicht gesagt. Der Reisegesellschaft wird's immer banger, und der Schweiß dringt häufiger hervor. Von allen Seiten hörte Vollmuth Seufzer. »Was ist's denn,« fragte er endlich? »Um Gotteswillen, sehen sie dahin,« sagte Hinz, »hier kommen wir nicht gut weg.« – »Haben Sie noch keine Irrwische gesehen, oder von den Tückeboten gehört,« erwiederte er? »Sie sind doch nicht von heute? Diese hüpfenden Feuer sind ganz natürlich. Sie bestehen aus einer Materie, die aus der Erde ausdünstet, und sich nicht enzündet, sonder nur im finstern leuchtet. Sie haben ja doch auch schon Johanniswürmgen, faul Holz, oder auch faule, fette Seefische gesehen; und wissen, daß diese Dinge im finstern leuchten? Ohnfehlbar ist dort ein sumpfigter und morastiger Ort, oder ein Schindanger: Was ängsten Sie sich vergebens?« der Postillon fing jetzt gräulich an zu fluchen; Die Irrlicher waren dem Wagen näher gekommen, hieb mit seiner Peitsche heftig in die Luft, worauf sie sich entfernten, aber bald wieder näher kamen. Flinz hatte sich fest an seinen Freund geschlossen, und wagte nur dann seitwärts aus dem Wagen zu sehen, wenn der Postillon zu toben aufhörte. Hager sagte, der Postillon mache es ganz recht; denn das sey die Absicht des Teufels, den Menschen zum fluchen zu verleiten; und wenn man bete, so komme er in dieser Feuergestalt immer näher. »Das wohl nicht allein,« sagte List, »er will den Menschen verführen. Ich habe schon oft gehört, daß man vom rechten Weg abkömmt, in eine Grube fällt, in einen Sumpf, unter ein Hochgericht, an einen Schindanger oder wenigstens Begrabeplatz geräth, wenn man ihnen folgt«. Der Pfarrer konnte nun nicht länger zuhören; er bedauerte die Leute, die vom Aberglauben geplagt, etwas fürchteten, was doch so wenig furchtbar war, und fing an: »In der Ferne scheint der Irrwisch die Gestalt einer Lichtflamme zu haben; der Reisende sieht es daher oft für ein wirkliches Licht an, und folgt ihm in der Hoffnung, nach einem Dorf zu kommen. Was Wunder aber, wenn er, indem er nur nach dem Licht, und nicht vor sich hin sieht, einmal über das andere, endlich in ein Loch fällt; und wenn er demselben weiter folgt, in einen Morast, oder überhaupt an einen solchen Ort geräht, wo viele Dünste aufsteigen, und daher die Irrlichter am meisten sichtbar werden, und sich aufhalten; dergleichen Gerichtsstätte, Schindanger, Begräbnisplätze oder solche Gegenden sind, wo ehemals Schlachten geliefert worden. Sie lassen sich von jeder leichten Luft bewegen; daher kommt es, daß sie bald hie bald dorthin, aus einander und wieder zusammen fliegen. Sie lassen sich von jeder Bewegung der Luft fortreiben, und folgen jedem Zuge derselben. Sie kommen daher dem fortgehenden Wagen, dem Reitenden und Gehenden, weil hinter dem fortgehenden Körper gewissermassen ein Luftleerer Raum entsteht, nach dem sie sich folglich sogleich hinziehen. Wer ruhig seinen Weg fortgeht, der wird ihrer bald los, wenn sie ihm gleich noch so nahe waren; denn bald wird sie ein leichtes Lüftgen wieder wegwehen. Wer vor ihnen läuft, den verfolgen sie, und wenn er sich zu todte rennte; so würden sie doch immer hinter ihm seyn. Wer dann thörigt genug ist, zu beten, der zieht die Luft änglstlich an, und die Lichtmänner, die so wie etwa eine Seifblase jedem Lüftgen folgen kommen ihm immer näher. Wer aber flucht, (ein starkes Schreien oder Blasen mit dem Munde würde noch mehr thun), der stoßt die Luft mit Heftigkeit von sich, und entfernt sie dadurch. Es sind also keine böse Geister, die durch ihr Näherkommen dem Menschen vom Beten abhalten, und zum fluchen reitzen wollten: sonst würden sie sich vor der Peitsche des Fuhrmanns, welche die Luft in Bewegung setzt, nicht fürchten, und davor entfliehen. Scheue Pferde gehen zwar durch, wenn sich ihnen Irrwische nähern; daraus folgt aber noch nicht, daß es Gespenster sind; denn sie würden es auch, wenn man mit mehrern Laternen auf sie zugienge. Gott wird den bösen Geistern nicht so viel Macht in der Welt lassen, daß sie Menschen, die in ihrem Beruf wandern, irre führen könnten; und das Gebet würde bei ihnen nicht entgegen gesetzte Wirkungen haben, da man dadurch sonst das Gute erlangen, und das Böse entfernen will. – Wer Lust hat der komme mit, wir wollen auf diese Geister losgehen, und sie genauer betrachten. Wir werden gleich finden, daß sie sich entfernen, wenn man auf sie zugeht; denn man stößt alsdenn die Luft vor sich her, und vertreibt sie dadurch.« » Nein, das thu ich nicht« sagte Hinz, »man könnte von den Geistern jämmerlich gemishandelt werden.« Keiner wollte es versuchen, einen Geist oder, wie man glaubte, den Teufel selbst einfangen zu helfen. »Wir würden eben so wenig Gefahr laufen, wie Robert Fluth,« sagte Vollmuth, »der in Gesellschaft einiger anderer, die Irrwische umzingelt und eingefangen, und dann gefunden hat, daß es blos eine zähe, schwarzfleckigte dem Froschleich ähnliche Materie sey. Auf ähnliche Art,« setzte er hinzu, »entstehen die fliegenden Funken, die springenden oder hüpfenden Ziegen, die brennenden Fackeln und Balken, die lechzenden Flammen u.s.w. Sie bekommen eine ohngefähre Figur, nachdem die Menge der ausgedünsteten Materie, oder die Beschaffenheit und Widerstand der Luft es mit sich bringt. Die letztern sieht man wenn im Finstern jemand gekämmt wird, oder man über eine Katze hinstreicht. Man wird so etwas nicht für außerordentlich halten, wenn man es entweder gehörig selbst untersucht, oder von andern darüber Auskunft erhält.«


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