Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Von dem Verbohren der Krankheiten.

Verbohrt sollen werden können: allerhand Arten von Geschwülsten, Auswüchsen an Knochen und an fleischigten Theilen, sowohl als auch allerley Schmerzen, besonders aber Brüche oder Leibschäden, womit auf folgende Weise verfahren wird. Der lächerliche Verbohrer schneidet nach Sonnen-Untergang ein Stückchen Holz von demjenigen Baume ab, durch welchen er die Operation oder Kur vornehmen will; gehet mit dem Kranken stillschweigend zu den Baum, bestreicht den Schaden mit dem Stückchen Holz übers Kreuz von oben nach unten, und misbraucht dabey den Namen Gottes. Nun bohrt er ein Loch in den Baum, und steckt das Hölzchen in die gemachte Oeffnung, so wie nun dieselbe verwächßt, so soll auch der Schaden geheilt werden. Manche nehmen auch das Pflaster, womit die Geschwulst bedeckt war, und verbohren es auf dieselbe Art. Die Operation selbst muß im Abnehmen des Monds geschehen, sonst ist sie unwirksam. Wie doch die Menschen so erfinderisch sind, um andere zu betrügen! sogar die Bäume müssen unschuldige Werkzeuge ihrer Bos- und Dummheiten abgeben. Was soll denn das Verwachsen des Hölzchens, womit der schadhafte Theil des Leibes bestrichen worden, für Wirkung auf diesen leisten? Welche Einwirkung soll denn der Mond, ein Himmelskörper der 50,000 Meilen von uns in der Luft schwebt, auf den kranken Theil des menschlichen Leibes haben? Wozu der schändliche Misbrauch des Namens Gottes? – Gott hat eine unzählige Menge heilsame Kräuter und andere Dinge erschaffen, die zur Erhaltung unserer Gesundheit und zu deren Wiederherstellung und Befestigung dienen sollen; er giebt also dadurch deutlich zu erkennen: daß wir solche nützen und in Krankheiten und Gebrechen des Leibes gebrauchen sollen. Hätte der Schöpfer gewollt, daß wir uns durch Possen und Alfanzereyen kuriren sollten, so hätte er nicht nöthig gehabt, so vielen Dingen in der Natur so herrliche und schöne Wirkungen beyzulegen.


 << zurück weiter >>