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Vom Schatzgraben.

So lange noch Beyspiele von dieser Art des Aberglaubens vorkommen, und daß Betrüger sich desselben bedienen, um andre auf eine schändliche Art zu hintergehen; so kann es nicht überflüssig scheinen, vor demselben zu warnen und Beyspiele aufzustellen, wodurch die Bosheit des dabei gespielten Betrugs auf der einen, und die Lächerlichkeit der dabei bewiesenen Einfalt auf der andern Seite in die Augen fällt.

Der Sattler Striedicke hatte ehedem schon einen mansfeldischen Prediger, einen übrigens sehr braven Mann zu überreden gewußt, ihn zur Hebung eines Schatzes zu unterstützen, und der gute Mann hatte seinen Heldenglauben durch einen Verlust von 180 Thaler und durch einen scharfen Verweis, den er vom fürstlichen Consistorio erhielt, büßen müssen. Striedicke aber hörte dennoch nicht auf zu behaupten, daß ihm ein Schatz bestimmt sey, und kurze Zeit vor Weinachten 1785, verbreitete sich auf einmal das Gerücht, daß er ihn nun gefunden habe. Vernünftige Leute lachten darüber: Da aber doch Striedicke sich und seine Frau kleidete, verschiedenen Hausrath anschaffte, und weit besser zu leben anfieng, als er bisher gekonnt hatte; so machte das die Obrigkeit aufmerksam. Mehrere geheime Nachforschungen wußte er durch das Vorgeben einer aus der Ferne erhaltenen Erbschaft zu vereiteln; eine Wittwe aber, die er, weil sie nicht bezahlen können, aus seinem Hause trieb, verrieth das ganze Geheimnis. Sie sagte auf dem Rathhause aus: In ihrer inne gehabten Stube, sey, wenn man ein Brett des Fußbodens aufhebt, eine Oeffnung, durch die man den darunter liegenden ungewölbten Keller des Striedicke übersehen könne. Gegen Weinachten habe sie einmal viele Personen darinn gesehen, unter denen sie nur Striedicken, seine Frau, und einen Windmüller aus der Neustadt habe erkennen können, die andern wären verkleidet gewesen, einer als ein Teufel, der andere als ein Geist, ein dritter als ein Mönch, u.s.w. Es sey ein Kreis geschlossen worden, und nach vielen Ceremonien habe man angefangen, mit Schaufeln die Erde aufzuwerfen, wodurch man auf einen Kasten gekommen sey, den man nur mit vieler Mühe habe herausheben können. Währendem Heben habe der verkleidete Teufel so entsetzlich gebrüllt, daß ihr selbst angst geworden sey. Man habe den Kasten nur einen Augenblick geöfnet, da alles wie Gold und Silber geglänzt habe; dann habe man ihn gleich wieder verschlossen, und mit mehrern Pettschaften versiegelt, zum Windmüller in die Neustadt geschafft. Von dem Tage an habe sich das Wohlleben in Striedickens Hause angefangen. – Nun ließ der Magistrat Striedicken und seine Frau, und nachher noch einige andre Personen einziehen, wodurch die eigentliche Bewandnis der Sache an den Tag kam. Striedicke hatte erfahren, daß der Windmüller einiges Geld liegen habe, und das war eigentlich der Schatz, den er heben wollte. Er gieng daher in der Gegend der Windmühle in erkünsteltem Tiefsinn auf und ab. Der Müller ruft ihn an, ob er sich verirrt habe? und was ihn anwandle? Striedicke stellt sich, als wenn er aus seinem Tiefsinn plötzlich aufführe, sieht den Müller mit starrem Blick, und mit einem vielsprechenden Stillschweigen eine Weile an, und ruft dann, wie entzückt: Gott! nun habe ich gefunden, was ich so lange gesucht habe! Freund, er ist der glückliche Mann, der mich und sich auf einmal in die blühendsten Umstände versetzen kann. Mit ihm nur kann der Schatz gehoben werden, der mir zugedacht ist. – Der Mann wird erst für die Sache eingenommen, und nach verschiedenen Conferenzen überredet, Striedicken 200 Thaler vorzuschießen, wofür er von dem Schatze 2000 Rthlr. erhalten, und, zu seiner mehrern Sicherheit, bis zu der Zeit, da man ihn angreifen dürfe, den ganzen Kasten in seine Verwahrung nehmen soll. Das war der Kasten; von dem der Teufel durch schreckliches Brüllen Verzweiflungsvollen Abschied nahm. Ein abgedankter Postillion, Scharf, hat die Rolle des Teufels gespielt, und ein liederlicher Bergmann, Burkhard, die des Geists. Der unter pfändliche Schatz wurde aus der Neustadt auf das altstädtische Rathhaus gebracht, und der Teufel und der Geist mußten den, einige Centner schweren Kasten auf den Tisch der Richterstube heben. Die erwähnten Siegel waren noch unbeschädigt, und man fand folgende Schätze darin: Zu oberst einige 80 bleierne mit Flitter vergoltete Münzen, zunächst die schwerste Art von grossen Steinen, und zwischen und unter diesen, vermuthlich um das Klappern und Rollen der Steine zu verhindern, einen reichen Vorrath an Kiessand. Bei angestellten Haussuchungen hat man mancherlei Werkzeuge des Schatzgrabens z.B. Bücher mit den gewöhnlichen Misbräuchen biblischer Sprüche und allerlei schrecklichen Formeln und Fratzen, auch Schmelztiegel und etwas Stempelartiges u.s.w. gefunden.

Striedicke ist ein trauriges Beispiel, wie tief ein Mensch in Bosheit verfallen kann, wenn er durch Vernachlässigung seiner Berufsgeschäfte zurück kommt, und, anstatt sich durch Einschränkung und Arbeitsamkeit wieder aufzuhelfen, vielmehr die Liebe zu faulen Tagen und zum guten Leben überhand nehmen läßt. Der Prediger und der Windmüller zeigen, wie sehr die Begierde nach Gewinn übrigens recht gute Leute verblenden könne.

Die Meinung von der Macht des Teufels, auf die der Schatzgräber baut, kam durch Irrende und Betrüger auf, und erhielt sich durch sie bis jetzt. Wär es den abgeschiedenen Geistern möglich, bei den Sachen, die ihnen im Leben lieb waren, und die sie darum verborgen hatten, sich sehen und hören zu lassen, oder sonst zu wirken; so würden die Beispiele davon unzählig seyn. Aber wer hat davon sichere Erfahrungen, die er ohne Vorurtheil und mit Wahrheitsliebe untersucht? Die Erzählungen davon sind immer erst von Mund zu Mund gegangen und so mit Zusätzen mannigfaltig vermehrt worden. Was aber immer gehörig untersucht werden konnte, ist immer als Betrug befunden worden. Die erzählte Geschichte ist ein Beweis davon. – Aber wer sollte einem Geist nicht trauen? wer sollte nicht glauben, den Schatz gewis zu haben, wenn er den ausgegrabenen schweren Kasten schon in Händen und im Hause hat? – und doch fand auch jene gute, wohlhabende Bauerswittwe in einem brandenburgischen Dorf vor wenig Jahren bei diesen Umständen sich betrogen.

Anfangs mußte sie für eine vorgeblich mit Türkenblut bestrichene Wünschelruthe zehen Thaler geben. Es kamen Bothen, die von nahliegenden Schätzen redeten, und so den eigentlichen Schatzgräber, der noch kommen sollte, verkündigten. Er hat überstudirt, sagten sie, und ist Priester gewesen.

Das gute Weib gab Geschenke und was man foderte; ein Stück Speck, um es auf dem Kreuzwege einzugraben; ein Stück Leinwand zur Befriedigung des Geistes. Endlich kam der überstudirte Mann, ein lahmer Husar, und man schritt zum Werk. Er führte die Bäurin um Mitternacht aufs Feld, ließ hier in einen von ihm bezeichneten Kreise ihren Knecht und Magd graben, und murmelte einige unverständliche Worte, um den Geist, der den Schatz bewache, zu citiren. Es erschien eine weise Gestalt und redete: »Ich war ein alter General, ich habe meinen Schatz vor dem Feinde vergraben, und hatte auf Erden niemand, dem ich dieß offenbaren konnte u.s.w. Nun beschrieb er den eisernen Kasten, gab die Kostbarkeiten in demselben an, und das baare Geld zu zwei und siebzig tausend Thaler. Um dieß zu heben, sollten nur hundert Thaler, etwas Damast x. an eine Kirche in der Lausiz gegeben werden; wo nicht, so würde allen dreien der Hals gebrochen. Der Schatz sey mit einem Hahn versetzt.

Der Hahn ward gebracht, vom Schatzgräber dem Geist gegeben, und letzterer verschwand. Man grub weiter, und fand den Kasten. Die Wittwe half ihn in ihr Haus tragen, gab dem Geisterbeschwörer mehr, als er für Lesung der Beschwörungs-Gebete foderte und ließ ihn gehen. Er versprach in einer bestimmten Zeit wiederzukommen; ohne ihn, sagte er, dürfe der Kasten nicht geöfnet werden. Was man denken kann, geschah: Er kam nicht wieder; und da der Kasten geöfnet wurde, fand man Steine und Sand. Der Geist ward übrigens entdeckt und körperlich bestraft. Möglich bleibt es immer, daß ehedem, wer weiß, aus was für Ursachen, unter die Erde Geld vergraben worden ist, möglich, daß Personen dasselbe gefunden haben, und dadurch reich geworden sind; Die Erfahrung lehrt es ja. Das es aber einem gewissen lediglich bestimmt sey, nur von gewissen Personen, die die Kunst verstehen, unter Hersagung gewisser Formeln, Darbringung eines Geschenks an den Geist, oder den Teufel, und Beobachtung gewisser Alfanzereien gehoben werden könne; wer mag dieß glauben? Wüßte jemand, wo in der Erde Schätze verborgen lägen, so würde er nicht zaudern, sie für sich alleine zu holen, um dann reich und angesehen seine Tage in Ruhe zuzubringen. Wie oft ist der Leichtgläubige betrogen worden? So widersinnig das gewöhnliche Verfahren bei dem Geldheben ist, so leicht lassen sich dennoch die Menschen bethören. Durch Speck und Leinwand soll der Geist besänftigt werden; man muß ihm einen Hahn, einen Bock, oder sonst etwas zum Opfer bringen, und dem Schatzgräber vorausbezahlen. Man soll sich weder bei Hin- noch Hergehen umsehen; denn man könnte von den verabredeten Betrügern etwas gewahr werden. Man soll, um mit dem Leben davon zu kommen, kein Wort reden; denn es könnten ja dadurch Personen herbeigezogen werden, und die Gaukeleien stören. Die Geister sollen den Schatz unter der Erde fortrücken, oder in Kohlen verwandeln, wenn man jemand davon was sage, daß man einen Schatz zu heben willens sey. Aber wer merkt nicht, das es betrügerische List sey, die darum ausgesonnen ist, daß die Sache nicht vor der Zeit entdeckt und gehindert werde. Der schwarze Bock, mit dem das Geld allein gehoben werden kann, darf kein weisses Härchen haben; der Teufel dreht sonst gar zu leicht den Hals um; wer merkt auch hier nicht, daß man den Betrogenen in Erwarten und Angst zu setzen sucht, damit der nichts wage, was den guten Erfolg des betrügerischen Unternehmens hindern könnte? Einst giengen in der Christnacht zween Bauern mit einem Studenten aus Jena, einen Schatz zu heben, in ein klein Weinberghäuschen, um da die Geister zu citiren. Man fand die Bauern des andern Morgens todt und den Stundenten ohnmächtig und sprachlos auf der Erde liegen. Kaum war dieß bekannt geworden; so wurde von den Einfältigen das Gerücht ausgebreitet; Der Teufel habe diesen Leuten die Hälse umgedrehet. Ein geschickter Arzt aber bewies, daß der Kohlendampf sie erstickt habe. Freilich, wer auf unrechten Wegen geht, den schreckt alles, und auch ein kleiner Zufall kann ihn tödten, wobei ein anderer gleichgültig würde geblieben seyn. Uebrigens beweist diese Geschichte, daß Vorwitz oft bestraft wird. Einige Mönche standen ehedem, und noch jetzt, in dem Ansehen, daß sie nicht nur Gespenster bannen und Geister citiren; sondern auch Geld geschickt zu heben wüßten. Einst gieng ein solcher, der sich den heiligen Christoph zum Schutzpatron ersehen hatte, mit seiner betrogenen Gesellschaft in ein altes Gewölbe, davon nur noch die vier Wände standen, und das oben mit Brettern zugedeckt war. Sie stiegen um Mitternach herab. Pater Franz machte einen Kreis um sich herum, sprengte Weihwasser gegen die vier Wände, sprach den englischen Grus, und betete:

»Heiliger und ehrwürdiger Märtirer Christoph, himmlischer Fürst, wir rufen dich an, als denjenigen, der du den größten König gesucht hast, und zuerst einen heidnischen König, hernach den Teufel, endlich aber den Herrn Jesum gefunden hast, weil du die Leute durch den Jordan trugest; und da du in deiner Einsiedlerhütte schliefest, rufte Jesus als ein Knab: Offery, Offery! da du das erstemal und anderemal aufstundest, war niemand da. Das drittemal rufte und sagte der Knabe: Offery, Offery, nehme deine Stange und trage mich durch den Jordan. Du nahmest ihn auf deine Schultern und giengest durch das Wasser. Der Knabe aber war so schwer, daß du in Lebensgefahr kamest, und zu dem Knaben sagtest: Du bist so schwer, daß ich meine, ich trage Himmel und Erde. Der Knab antwortete: Du trägest wahrlich den, der Himmel und Erde erschaffen hat. Da tauchte dich der Knabe ins Wasser und taufte dich im Namen des Vaters +, des Sohnes +, und des heiligen Geistes +, und verändere deinen Nahmen, mit dem Beisatz: Du sollt nicht mehr Offery, sondern Christoph heißen. Ich erschaffe dich zu einem Schatzmeister, und gebe dir Gewalt über alle in der Erde verborgene Schätze, daß du sie unter diejenige, welche dich in meinem Namen anrufen, austheilest. Ich gebe dir auch Gewalt über alle böse Geister. Nun rufen wir dich, o heiligster und verehrungswürdigster Herr Märtyrer und Fürsprecher Christoph an, daß du dich unserer erbarmest, und uns nebst Gott und der heiligen Jungfrau Maria erhörest, und uns zum Behuf unserer Arbeit diese Nacht hunderttausend Gulden gutes Geld bescherest. Wir rufen dich das erste andere und drittemal an, und beschwören dich in dem Namen des Vaters +, des Sohns +, und des heiligen Geistes +, und der heiligen Marien, mache durch deine Fürbitte, daß wir reich werden, und aller Glückseligkeit genießen. So wahrhaftig du Christo gedienet hast, und von ihm getauft bist, und du den heidnischen König und unzählige andere zu dem christlichen Glauben gebracht, und dir Gott Seele und Leib gegeben hat, hilf uns und bringe uns gutes lauteres Gold, gutes Geld durch Gott Vater +, Sohn +, und heiligen Geist + Amen.«

Nach Endigung dieses Gebets sprengte Franz noch einmal Weihwasser gegen die vier Wände, ließ vier Personen mit den bei sich habenden, und mit Kreuzen bezeichneten Hämmern dreimal gegen die vier Wände schlagen, und dieß zum zweiten und drittenmal wiederholen. Plötzlich stürzt eine Wand ein, Angst befällt sie; sie laufen alle zum Gewölbe hinaus. Aber die Liebe zum Reichwerden hieß sie still stehen, sie erholen sich, kehren um, suchen und finden nichts. Auch der schändlichste Misbrauch des Namens Gottes, und dessen was heilig ist, vermag nicht Geister zu zwingen, oder das unter der Erde befindliche Geld herbei zu rücken: so sehr auch der Abergläubische, wenn er so etwas hört, zittern und glauben mag. Das sicherste Geldheben ist, sparsam und fleisig seyn, das Seine in Acht nehmen, und seine Pflichten gewissenhaft erfüllen. Ein sterbender Vater sprach: Sohn, grabe den Acker und den Weinberg fleisig um, du wirst einen Schatz finden. Der Alte war kaum kalt; so fieng Hanns an, alles umzuwühlen, aber er fand nichts, nachdem er lange gegraben hatte. Nach Jahren fiengen der Acker und der Weinberg an, reicher als je zu tragen; und Hanns hätte nun merken können, was der Vater unter dem Schatz, den er finden sollte, gemeint habe? Hanns war seit des Vaters Tode fast täglich im Wirthshaus, wiederholte die letzten Worte des Erblaßten, und war oft sehr unwillig darüber, daß er den vom Vater vergrabenen Schatz nach so langer Zeit nicht gefunden habe. Ein Bergmann, ein listiger Betrüger, schlich ihm nach, und bemerkte bald, daß er an Hanns den rechten Mann gefunden habe, fieng vom Schatzgraben an, und sagte, er wisse selbst einen. Hanns bezahlte die Zeche für ihn und sagte endlich: »Bruder, wenn du ihn weißt, warum hast du ihn nicht schon gehoben?« »Ja, sagte der Bergmann, das geht nicht gleich, ich bin arm. Wenn ich 33 Thaler, 3 Groschen und 3 Pfennige in Gold, Silber und Kupfergeld hätte, womit ich den Schatz herauf locken könnte, so wollte ich ihn gleich heben.« »Bruder, rief Hanns schon voll Freude, so viel habe ich eben bei mir; da hast dus.« »Gut sagte der Bergmann, diese Nacht um 12 Uhr gehen wir hin und heben den Schatz, und dann sind wir reich genug.« Hanns mußte sich in gewisser Entfernung unter eine Eiche stellen, und bei Lebensgefahr sich nicht rühren, oder ein Wort sprechen. Er hatte schon drei Stunden unter großer Angst da gestanden; die Zeit wurde ihm endlich lang, er wagte es, sich umzusehen, zu rufen, und dann an den Ort hinzugehen, wo der Schatz sollte gehoben werden: aber der Bergmann hatte sich fortgemacht; Hanns kam halb erfroren nach Hause und schämte sich, und wird bis jetzt seiner Leichtgläubigkeit wegen, von jedem geneckt und ausgelacht.

Möchten die hier erzählten Geschichten jedem eine Warnung seyn, sich Betrügern nicht anzuvertrauen, und dadurch sich lächerlich und unglücklich zu machen.

Zu dem Geldheben braucht man zuweilen auch die


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