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Regenbogenschüsseln

sonst auch Sternschosse nennt. Sie sind wie große tiefe Pfennige gestaltet. Man sieht darauf Laub, Köpfe, Sterne von vier Strahlen, Schlangen, gekrönte Schlangen, Vögel, Ringe u. d. gl. Der Abergläubische hat ihren wahren Werth sehr erhöhet; denn in dem Hause, wo eine solche Schüssel aufbewahrt wird, soll Glück seyn; da es hingegen von dem weiche, der sie verkauft. Sie soll die schwersten Krankheiten, z.B. die fallende Sucht, das hartnäckigste Fieber x. heilen, wenn man sie in das Getränke des Kranken wirft; ja sogar auf den moralischen Zustand der Menschen Einfluß haben, den Menschenfeind, der sie bei sich trägt, gesellig x. auch jeden beliebt machen, und in Ansehen bringen: Und diese Kräfte sollen sie nur von dem Regenbogen haben. – Aber der Regenbogen ist ja eine bloße Lufterscheinung, und nichts wesentliches, die nur so lange besteht, als die Sonnenstrahlen in den wässerigten Dünsten gebrochen werden. Die Hitze der Sonne, die das Gold in den Bergen, nur durch die Länge der Zeit zur Reife bringen hilft, kann es in der bloßen Luft nicht erzeugen; noch weniger Schüsselchen bilden, und sie mit mancherlei Figuren stempeln. Der Fleis der Menschen hat das Gold aus den Eingeweiden der Erde gewühlt, die Kunst ihm diese Form gegeben, und der Aberglaube mit wunderbaren Kräften versehen. Nur sehr selten findet man ein solches Goldstück: Verzettelte jeder Regenbogen nur eins; so würde man deren schon viele haben. Die Menschen haben eine große Begierde zum außerordentlichen; was Wunder, wenn sie in die Luft und den Regenbogen Werkstätte dichten, und darin Geschirr schmieden lassen? Aber entzieht man nicht sein Vertrauen dem, der es allein verdient, der über unsere Schicksale wacht? Denn wenn ein Goldstück mich aufrecht hält; so ist Gott nicht mehr der Schöpfer meines Glücks, und meine Hoffnung.

Man bemerkt bisweilen um die Sonne oder den Mond einen großen Ring, der mit Regenbogenfarben spielt. Man nennt ihn einen


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