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Wünschelruthe.

Eine solche Ruthe ist ein von einer zinkichten Haselnußstaude, in der St. Johannisnacht zwischen eilf und zwölf Uhr abgeschnittener Zweig, der die Gestalt einer Gabel hat, und gegen den Aufgang der Sonne gewachsen seyn muß. Der, welcher sie über dem Punct, wo die Nebenzweige herausgewachsen sind, abschneidet, muß in dem Zeichen der Wage gebohren seyn, und dabei folgende Worte, auch gegen den Aufgang der Sonne sprechen; Gott grüsse dich, du edles Reis, mit Gott dem Vater such ich dich, mit Gott dem Sohne find ich dich, mit Gott des heilgen Geistes Macht und Kraft brech ich dich. Ich beschwöre dich Ruhte und Sommerlatte bei der Kraft des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen, was ich dir gebiete; und solches, so gewiß und wahr, so rein und klar, als Maria, die Mutter Gottes eine reine Jungfrau war, da sie unser Herrn Jesum Christum gebar; Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen! – Sonst wird dabei auch wohl das erste Capitel Johannis: Im Anfang war das Wort x. oder die Worte des 23. Psalms gesagt: Dein Stecken und Stab tröstet mich.

Die Wünschelruthe wird auch künstlich aus jedem andern Holz, aus Drath, Papier und Fischbein verfertigt; und es hat Leute gegeben, welche diese geheime Wissenschaft zu besitzen vorgegeben, und sie theuer gnug verkauft haben. Solche künstlich gemachte Ruthe besteht aus zwei Stücken eisernen Drath, welche dergestalt zusammengefügt sind, daß sie sich biegen lassen; sind über und über mit Leder überzogen, und mit Zwirnfaden bewunden.

Durch das Schlagen dieser Ruthe sollen alle verborgene Dinge, vorzüglich die vergrabenen Schätze, auch Erzgänge, Wasserquellen, Marksteine, dann verirrtes Vieh, Mörder, Diebe, unbekannte Wege und Stege entdeckt, und sogar auf vorgelegte Fragen richtige Antworten gegeben werden. Zacharias wollte dadurch wissen, ob jemand tod oder lebendig, gesund oder krank; ob eine Frau schwanger sey, ob sie einen Sohn oder Tochter trage; wenn jemand gebohren, wie hoch die Sonne von der Erde, ob die Geschichte oder der Satz war sey; ob die Planeten bewohnt, der Feind fern oder nahe, und wo die im Meer versunkenen Waaren wären. Karl sagte: die metallischen Dünste giengen durch die Wurzeln in die Haselnußstaude über, und vereinigen sich mit den Zweigen und Blättern. Weil nun die zusammengezogenen Dünste eine Schwere hätten, und die aus der Erde kommenden Dünste, vermöge der anziehenden Kraft, welche die Körper aus einerlei Materie gegen einander äußern; sich mit ihnen vereinigen; so würde dadurch die Wünschelruthe schwerer gemacht und müßte sich niederbeugen. Dann aber würde nicht nur der Zweig von der Haselnußstaude allein, sondern jeder anderer auch eine Wünschelruthe seyn können. Veit vergleicht das Schlagen der Wünschelruthe mit der Bewegung der Magnetnadel. So wie diese sich drehet, wenn man ihr Eisen nahe bringt; so soll auch die Haselnußstaude eine natürliche Kraft haben, sich zu den Metallen zu neigen, und durch ihr Schlagen zu erkennen geben, wo dergleichen in der Erde stehe. Allein es streitet wider die Erfahrung. Andre sagen, die Ruthe schlage, weil sie eine Kraft habe, etwas anzuzeigen; und das ist doch so viel als nichts gesagt; denn es wird dabei etwas als erwiesen vorausgesetzt, was noch nicht erwiesen ist. Man kann keinen einzigen glaubwürdigen Fall anführen, daß durch die Wünschelruthe verborgene Dinge jemals entdeckt worden sind; und bey allen Geschichten, die man davon erzählt, liegen Betrügereien zum Grund. Kein vernünftiger Bergmann hat damit zu schaffen; jeder hält sie für etwas Betrügliches. Die Wünschelruthe schlägt nicht nur da, wo Metalle sind, sondern an jedem andern Ort. Der Grund davon liegt in der Federkraft (Elasticität) und Schwere. Nach der Vorschrift des Ruthengängers muß man, wenn die Ruthe schlagen soll, die Arme fest an die Brust drücken, die Hände vom Leibe abhalten, und sie mit denselben so fassen, daß die Daumen an beiden Enden anstoßen. Vermöge ihrer Schwere fängt sie nun an, zu wirken, und sucht sich herunter zu bewegen. Wenn man sie über einen Beutel mit Geld hält, so wird sie schlagen; Sie wird es aber auch, wenn man sie über ein Stück Holz oder über nichts hält. Kurz, sie schlägt immer, man mag sie halten wie und wo man will. Wer eine Probe damit macht und von Vorurtheilen und der Liebe zum Wunderbaren nicht eingenommen ist, der kann sich davon leicht überzeugen.

Die fleischichten Theile unsrer Hände und Arme können nemlich das starke Drücken nicht lange aushalten; sie lassen in ihrer Wirkung nach, ohne daß wir es selbst merken; daher drehet sich die Ruthe in unsern Händen herum, und ihr Schlagen rührt von ihrer Federkraft Schwere und der seltsamen Art her, sie zu halten. Die, welche mit der Wünschelruthe etwas außerordentliches erfahren wollten, bestanden zuletzt doch immer mit Schimpf, oder wurden als Betrüger entdeckt. So gieng es dem französischen Bauer Jakob Aymar, der mit seiner Wünschelruthe so viel Aufsehen machte, daß selbst die Richter mit ihm umher liefen, und vermöge derselben die Diebe und Mörder zu finden glaubten. Die Proben, die er nach der Zeit mit seiner Ruthe anstellte, fielen so schlecht aus, daß er das Land räumen mußte. – Es ist kein Zweifel, daß mit der Wünschelruthe auch schon von ungefähr verborgene Dinge entdeckt worden sind; aber alle Wahrsagerkünste treffen und fehlen; in den allermeisten Fällen schlagen sie fehl, und am Ende entdeckt sich der Betrug, wenn man ihn anders sehen will.

Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem wohlhabenden Bauerpurschen bekannt, und versicherte ihn, daß er durch sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie giengen an den Ort, erst ließ der Bergmann, dann Samuel die Ruthe schlagen, und schon in der nächsten Nacht um 12 Uhr sollte der Schatz gehoben werden. – »Wenn wir nur das Geld anschaffen können, sagte der Bergmann, was zur Hebung des Schatzes nöthig ist. Ich bin arm, und diese meine Armuth ist eben die Ursach, warum ich durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich gworden bin. Die unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben lassen, sobald sie erkennen, daß ich 50 Thaler in der Tasche habe. Merken sie aber, daß ich weniger, oder wohl gar nichts bei mir führe; so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn schon in Händen zu haben.« Nun empfieng er das verlangte Geld. Samuel hatte es sich mühsam erspart; gab es jetzt aber gern hin, weil er dadurch reich zu werden hofte. Sie giengen an den bestimmten Ort, und fiengen gerade um 12 Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm wie er vorgab, sagte: daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Samuel zu erkennen, daß kein Ungeweihter zugegen seyn dürfe, wenn der Schatz gehoben würde. Dieser gehorchte zitternd dem Befehl des Schatzgräbers. – Die Geschichte endigte sich, wie sich dergleichen immer geendigt haben; Der Bergmann hatte sich mit den 50 Thalern davon geschlichen; außer daß Samuel noch in eine hitzige Krankheit verfiel, an welcher er in wenig Tagen, unter einer beständig anhaltenden Raserei von der Wünschelruthe, zur grossen Betrübnis seiner Eltern, deren einziger Sohn er war, starb.

Das Feuer hat eine außerordentliche Kraft. Es dringt wegen seiner Feinheit in die Zwischenräume des Holzes und der Metalle, verwandelt jenes in Asche, und schmelzt diese. Das Feuer ist eine sehr grosse Wohlthat für die Welt und die Menschen; denn es bringt alle Früchte zur Reife, und giebt dem Körper die gehörige Wärme und Schmeidigkeit, und bewahrt ihn vor dem Erstarren. Schon aus der grossen Gewalt, die das Feuer hat, ersieht man, daß es Thorheit sey,


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