William Shaekespeare
Shakespeares Sonette
William Shaekespeare

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CXXVIII

Wie oft, wenn deine lieben Finger leihen
dem toten Holze der Befühlung Glück
und lassen ihm die Wohltat angedeihen,
die meinem Ohr zuteil wird als Musik,

bin ich ein Bettler bloß vor solchen Tasten,
die spielend küssen deine holde Hand,
dieweil mein stummer Mund, verdammt zum Fasten,
nicht Töne hat wie jener Musikant.

Wie neidet er das Ding, das so genießt
und tief sich bückt, dem süßen Druck ergeben,
und wie's beglückt von Wohllaut überfließt,
weil deine Gnaden totes Holz beleben.

Sei weiter gnädig, doch gerecht auch, und:
gib ihm zum Kuß die Finger, mir den Mund!


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